«Das war kein Duell»

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Berlin - Schon am frühen Morgen versuchte die SPD-Zentrale Fakten zu setzen. «Klare Sache: Gerhard Schröder», stand auf den Handzetteln, die nach dem ersten TV-Duells gestern vor Bahnhöfen und auf Plätzen verteilt wurden. Dass sich diese Bewertung nicht so ganz mit den meisten Umfragen nach den Sonntags-Duell mit Edmund Stoiber (CSU) deckte, fiel unter den Tisch. Ziemlich erstaunt musste das SPD-Lager zur Kenntnis nehmen, dass der Kanzler-Herausforderer nach dem Eindruck vieler Zuschauer eine bessere Figur gemacht hat als erwartet. «Stoiber war für seine Verhältnisse nicht schlecht», gab es auch vorsichtiges Lob von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit vor der Sitzung des SPD-Präsidiums.

So unterschiedlich die Reaktionen auf das erste Fernsehduell nach US-Vorbild, so unterschiedlich waren sie auch bei den kleineren im Bundestag vertretenen Parteien. Bei Vizekanzler Joschka Fischer löste der gemeinsame Auftritt von Schröder und Stoiber keine Begeisterung aus. «Das war kein Duell, sondern der Austausch von Meinungen in einem vorher gefertigten Korsett», spottete der Spitzenkandidat der Grünen. Zur Meinungsbildung der Wähler könne die klassische Parlamentsdebatte allemal mehr beitragen. Gleichwohl habe der Kanzler auf ihn überzeugender gewirkt als sein Herausforderer. Inhaltlich kritisierte der Grünen-Politiker, dass sich Stoiber in der entscheidenden Frage, ob sich Deutschland an einem Militärschlag gegen den Irak beteiligen werde, nicht festlegen wolle. Einen «Wackelkurs» verfolge der Unionskandidat auch bei der Finanzierung der Hochwasserschäden, da er eine Verschiebung der Steuerreform zunächst mittragen, nach der Wahl aber zurücknehmen wolle.

Nach Einschätzung von FDP-Kanzlerkandidat Guido Westerwelle ist das Fernsehduell unentschieden ausgegangen. Schröder und Stoiber hätten sich eine Art Ähnlichkeitswettbewerb geliefert: «Bei drei Vierteln der Themen waren sie sich ähnlicher als ihnen lieb sein dürfte», sagte Westerwelle der «Bild»-Zeitung. Die Schärfe in den Worten habe nicht verdecken können, dass der SPD-Chef und der bayerische Ministerpräsident sich «bemühten, unbequemen Fragen auszuweichen, um dem anderen keine Vorlage zu liefern».

Nach Auffassung von FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper haben die beiden Kontrahenten beim Fernsehduell gezeigt, dass sie «eher Verfechter einer Stillstandspolitik als von Reformpolitik sind». In Magdeburg sagt sie gestern: «Ein Duell hat nach meiner Vorstellung immer etwas Kämpferisches.» Davon habe sie beim Betrachten der Fernsehübertragung nicht viel gemerkt.

«Den Bürgerinnen und Bürgern wurden alte Konzepte und viel Langeweile geboten», sagte FDP-Vize Walter Döring und ergänzte spöttisch: «Hätte Guido Westerwelle an dieser Runde teilnehmen müssen, hätten wir uns sofort wieder aus dieser Runde rausgeklagt.» Dieser versucht derzeit vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, seine Teilnahme am zweiten TV-Schlagabtausch zwischen Kanzler und Kandidat am 8. September bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF zu erzwingen.

Die PDS bemängelte, Ostdeutschland sei im TV-Duell «faktisch nicht vorgekommen». Es sei deutlich geworden, dass beide Politiker auf diesem Feld «nichts zu bieten» hätten, betonte PDS-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch gestern in Berlin. Der Auftritt von Schröder und Stoiber sei langweilig gewesen und wie die erste Halbzeit eines Eröffnungsspiels der Fußballweltmeisterschaft verlaufen. eck/has