Ein hoffnungsloser Fall

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Gerold Osterloh

Die Pleite von Babcock Borsig kann Gerhard Schröder und Wolfgang Clement (beide SPD) natürlich überhaupt nicht ins Wahlkampfkonzept passen. Ein wirtschaftliches Desaster dazu noch im SPD-Stammland Nordrhein-Westfalen. Doch der Bundeskanzler in Berlin und der Ministerpräsident in Düsseldorf haben am Ende der Versuchung widerstanden, beim Poker um immer höhere staatliche Bürgschaften zu retten, was nicht zu retten war.

Vielleicht sind es die Erfahrungen mit Holzmann, die die SPD-Politiker auf der ordnungspolitischen Linie gehalten haben. Denn der Fall kam nach dem Sündenfall - zu den großen Pleiten kommt der Bundeskanzler, zu den kleinen der Konkursrichter. Bei Holzmann ist das exakt so geschehen. Aus dem Jubel vom Dezember 1999 über den Retter Gerhard Schröder ist für die Beschäftigten von Holzmann längst bittere Erinnerung geworden. Der Baukonzern überlebte gerade mal gut zwei Jahre. Die Staatsknete hat den Konkurs nur verzögern können.

Im Babcock-Schacher mit den Banken hatten Schröder und Clement schon 430 Millionen Euro eingesetzt, um den Konzern zu retten. Doch den Banken war das nicht genug. Sie hatten offenbar ganz den Glauben an eine Rettung mit herkömmlichen Mitteln aufgegeben. Die Schwierigkeiten bei Babcock sind ja auch in der Tat nicht von heute. Der letzte Vorstandschef Klaus Lederer kam schon Mitte der 90er Jahre als Sanierer. Und hat sich längst zur HDW-Werft nach Kiel abgesetzt, der Perle des Konzerns, die er vorher noch schnell nach Amerika verkauft hat. Die Politik kann aber nicht so tun, als sei sie ahnungslos gewesen. Vorsitzender des Aufsichtsrates bei Babcock ist nicht zufällig Friedel Neuber (SPD), einst mächtiger Chef der Westdeutschen Landesbank mit kurzem Draht zu den Politgrößen des Landes.

Schröder hat nicht Holzmann, sondern Holzmann hat den im Meinungstief dümpelnden Schröder gerettet, hieß es damals sarkastisch, als sich der Kanzler als zupackender verlässlicher Helfer in der Not feiern ließ. Bei Babcock konnte er auf diesen Effekt schwerlich noch einmal setzen. Denn jeder weiß, was inzwischen aus Holzmann geworden ist. Jetzt muss eine geregelte Insolvenz zeigen, was von Babcock noch bleibt. Die Anpassung wird bitter sein, Tausende von Arbeitsplätzen stehen auf dem Spiel.

In Berlin beschäftigt Babcock Borsig im Werk Tegel noch 400 Personen, 150 Arbeitsplätze sollen zum Jahresende gestrichen werden. Vor Jahren war Borsig aus dem staatlichen Diag-Konzern, der nach dem Krieg in Mauerzeiten das Überleben von Berliner Unternehmen sichern sollte, mit vielen Hoffnungen und 2000 Beschäftigten an Babcock privatisiert worden. Viel ist davon nicht geblieben. Der Strukturwandel schreitet voran. Auch der Staat kann ihn nicht aufhalten.