Belgische Truppen verlassen Deutschland

dpa Troisdorf - Nach gut einem halben Jahrhundert Stationierung ziehen sich die belgischen Streitkräfte von ihren letzten deutschen Standorten im Rheinland zurück. Mit einer Militärparade im Beisein von Belgiens König Albert II. und Bundespräsident Johannes Rau sowie einem Großen Zapfenstreich der Bundeswehr mit Verteidigungsminister Rudolf Scharping werden die Belgier heute in der Kaserne «Camp König Baudouin» in Troisdorf-Spich bei Köln mit feierlichem Zeremoniell verabschiedet.

Nach einem ersten Truppenabzug nach Ende des Kalten Krieges Mitte der 90er-Jahre blieben von früher insgesamt rund 27 300 Soldaten noch knapp 6800 Angehörige der belgischen Streitkräfte in Deutschland, allesamt im Großraum Köln. Darunter sind rund 2000 Soldaten, der Rest sind Familienangehörige (etwa 4000) und Zivilisten (rund 780). Derzeit gibt es - nach früher 18 Standorten - noch vier belgische Kasernen, zwei in Troisdorf-Spich, je eine im benachbarten Altenrath und in Vogelsang in der Eifel. In diesem Sommer packen nun die restlichen Soldaten in den beiden Kasernen in Spich sowie in Altenrath ihre Sachen. Seit Jahresanfang sind die Verbände bereits ihrer operationellen Aufgaben enthoben. Der gesamte Rückzug mit Rückgabe der Liegenschaften an das Bundesvermögensamt soll 2004 abgeschlossen sein.

Noch etwas länger (voraussichtlich bis 2005) wird es im Camp Vogelsang bei Aachen dauern. Dort sind noch 70 Soldaten und gut 160 Zivilangestellte. Der letzte belgische Soldat wird deutschen Boden voraussichtlich Ende 2005 verlassen, wie der Kommandeur der belgischen Streitkräfte in Deutschland, Oberst Alain Reynaert, sagte.

Betroffen von der jetzt eingeläuteten Rückkehr und dem Abbau der belgischen Infrastruktur mit Kasernen, Übungsplätzen, Schulen, Läden, Sport- und Kultureinrichtungen sind in Troisdorf-Spich und Altenrath rund 600 Familien. Von ihnen wollen rund 500 Familien weiter in der Region bleiben, wie die belgische Seite berichtete. Eine Reihe von Soldaten wollen lieber der belgischen Armee den Rücken kehren als in ihre frühere Heimat zurück. Sie ziehen Deutschland vor, vor allem wenn sie mit deutschen Frauen verheiratet sind.

Die jetzigen Kasernengelände in Spich sollen in Gewerbeflächen umgewandelt werden, wie Troisdorfs Bürgermeister Manfred Uedelhoven ankündigte. Vielleicht werde auch ein Museum oder eine deutsch-belgische Begegnungsstätte eingerichtet. Neben den Belgiern sind in Deutschland noch rund 70 000 amerikanische, etwa 21 000 britische, rund 3000 französische und etwa 2500 niederländische Streitkräfte stationiert.