Papst tauft Muslim im Petersdom

Die Sensation hat die Kennziffern 00470-01.01 und B0205-XX.01: Am Samstagabend um kurz nach acht als der Petersdom schon fast vollbesetzt ist und alles auf den Papst wartet, verschickt die vatikanische Pressestelle eine Mitteilung: "Unter den Täuflingen ist auch Magdi Allam, der bekannte Journalist ägyptischer Herkunft des Corriere della Sera".

Foto: GDP/CN

Rom - Die Sensation hat die Kennziffern 00470-01.01 und B0205-XX.01: Am Samstagabend um kurz nach acht als der Petersdom schon fast vollbesetzt ist und alles auf den Papst wartet, verschickt die vatikanische Pressestelle eine Mitteilung: "Unter den Täuflingen ist auch Magdi Allam, der bekannte Journalist ägyptischer Herkunft des Corriere della Sera". Gute zwei Stunden später ist der "bekannte Journalist" nicht mehr Moslem, sondern vom Papst getaufter Christ und trägt einen neuen Namen: Magdi Cristiano Allam.

Der Papst tauft jedes Jahr in der Osternacht Männer und Frauen zu neuen Christen, doch der Täufling Magdi Allam ist keiner, der schon einen Tag später von den Medien wieder vergessen ist, so wie die anderen fünf Frauen und der eine Mann, die aus den USA, Kamerun und China kamen, um sich taufen zu lassen. Magdi Allam war und ist einer der prominentesten Islam-Kritiker Italiens. Deshalb war seine Taufe das Osterthema schlechthin in den italienischen Medien, deshalb finden sich auch jetzt noch, zwei Tage später, Diskussionsforen auf den Seiten der wichtigsten Tageszeitungen Italiens, trudeln alle paar Minuten neue Reaktionen auf die Taufe aus aller Welt ein, vor allem aus der muslimischen - der alten Heimat von Magdi Allam.

Allam floh aus dem "Gefängnis Ägypten"

55 Jahre vor dieser Osternacht wurde Magdi Allam im ägyptischen Kairo geboren, wo gewiss die Wurzeln für seine Überlegungen liegen, Christ zu werden: Er ging zu katholischen Schwestern in Kindergarten und Grundschule, dann zur Schule von Salesianer-Mönchen. Anschließend beschloss er, nach Italien auszuwandern: "Ich muss gehen", schrieb er später in einem seiner zahlreichen Bücher, "Ägypten ist ein großes Gefängnis und ich suche die Freiheit". In Rom studierte er an der Sapienza-Universität Soziologie und begann, zu schreiben, zunächst für die linken Zeitungen "Manifesto" und "La Repubblica". Im Jahr 2003 holte ihn die liberal-konservative Mailänder Zeitung "Corriere della Sera". In seinem ersten Artikel schrieb er über "Die neuen Katakomben der Konvertiten", eine Reportage über die Ängste von Muslimen, die zum Christentum übertreten.

Doch Leibwächter hatte er schon damals, weil er, der Muslim, nicht aufhören konnte, die Radikalen zu kritisieren: "Seit fünf Jahren lebe ich nun mit der ständigen Begleitung durch Leibwächter ", erzählt Magdi Allam verbittert in dem offenen Brief, den seine Zeitung am Tag nach seiner Taufe veröffentlichte. Der Grund: Immer provokanter hatte Magdi Allam Kritik geäußert - am Lärm der Islamisten ebenso wie an der Stille der gemäßigten Muslime.

Drohungen und Zustimmung

Er machte es Freunden und Feinden leicht: Wann immer er Moschee-Neubauten kritisierte und vor der Unterwanderung der Moderaten durch die Radikalen warnte, da waren die Reaktionen schon vorher ausgemacht: Neue Morddrohungen von den einen, Zustimmung von den anderen, und dabei allzu oft von zweifelhaften Politikern der Rechte. Sie sahen in ihm einen Traum-Muslim: islamkritisch und assimiliert.

Nun ist der Muslim Christ, und Vatikan-Sprecher Federico Lombardi hatte vielleicht geahnt, dass die Taufe eines Muslims durch den Papst in der Osternacht mindestens für Missverständnisse sorgen könnte: "Für die Katholische Kirche hat jeder nach eingehender Selbstprüfung (...) das Recht, die Taufe zu empfangen", fügte er deshalb als Erklärung bei - präventive Diplomatie. Trotzdem gibt es Kritik aus der muslimischen Welt. Die palästinensische Zeitung "Al Quds al Arabi" schrieb auf ihrer Titelseite: "Der Papst provoziert, wenn er einen Moslem tauft, der bekannt für seine Kritik am Islam und für seine Nähe zu Israel ist." Benedikt XVI. ist noch am Ostersonntag nach Castel Gandolfo gefahren. Hier war er auch nach der Regensburger Rede - wiederholen sich die Proteste von damals nun wegen der Taufe eines Mannes, der nun auch Christian heißt?

Wie der Dialog zwischen Christentum und Islam weitergehen solle, wird Allam gestern in einem Interview gefragt: "Mit aller Offenheit", sagt er. Magdi Christian Allam will sich dafür engagieren, obwohl er nun erst recht die Radikalen fürchten muss. Aber er kennt auch beide Religionen - und war ein Leben lang auf der Suche nach der für ihn richtigen.