Terroristen

Das machen die RAF-Frauen heute

Was ihr Feindbild angeht, war die Rote Armee Fraktion (RAF) immer eindeutig: Die "faschistische" Bundesrepublik und das "Universum der Kohle" wollten sie vernichten - so steht es in mehreren "Bekennerschreiben" der zweiten Terroristengeneration, die von 1975 bis 1982 eine Blutspur durch Deutschland zog. In Gegensatz zu diesem Feindbild steht die relative Milde der Justiz ihnen gegenüber. Bis auf Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt kamen alle Terrorverdächtigen, die 1980 per Steckbrief gesucht wurden, lange vor Verbüßen ihrer Haftstrafen wieder auf freien Fuß.

Inge Viett

Neben Peter-Jürgen Boock tritt auch Inge Viett öffentlich auf. Ursprünglich Mitglied der Terrorgruppe 2. Juni in West-Berlin, ist sie an der Entführung von Lorenz beteiligt. Flieht 1976 als erste Terroristin in die DDR, wird dort 1990 verhaftet und verurteilt, kommt aber 1997 vorzeitig frei. Seither arbeitet sie als Schriftstellerin.

Susanne Albrecht

Albrecht, 1951 als Tochter eines Anwalts geboren, gerät 1973/74 in die Sympathisantenszene der RAF. Die Pädagogin ermöglicht 1977 Mohnhaupt und Klar den Zugang zum Haus von Jürgen Ponto; Patenonkel ihrer Schwester. Der Bank-Chef wehrt sich und wird erschossen. Nach dem Mord lebt sie im Jemen im Trainingscamp und beteiligt sich 1979 am Anschlag auf Nato-Oberbefehlshaber Alexander Haig. 1980 taucht sie mithilfe der Stasi in der DDR unter, wird 1990 in Ost-Berlin verhaftet, dank Kronzeugenregelung wie andere auch milde bestraft und 1996 entlassen. Albrecht arbeitet heute unter neuem Namen in Norddeutschland als Lehrerin.

Christine Dümlein

Eher zum Umkreis des RAF-Kerns scheint Christine Dümlein gehört zu haben. Sie taucht mit Werner Lotze 1980 in der DDR unter, wird 1990 in Frankfurt (Oder) verhaftet und wegen Verjährung der ihr zur Last gelegten Straftaten freigelassen.

Monika Helbing

Die 1953 geborene Monika Helbing stößt über die Sympathisantenszene zur RAF, taucht 1976 unter und mietet 1977 die Wohnung, in der Hanns-Martin Schleyer nach der Entführung festgehalten wird. 1980 steigt sie aus, verschwindet in der DDR und heiratet Ekkehard von Seckendorff-Gudent. 1990 verhaftet und zu sieben Jahren Haft verurteilt lebt Helbing heute unter anderem Namen.

Friederike Krabbe

Die große Unbekannte der zweiten RAF-Generation wird 1950 geboren, studiert in Heidelberg und taucht 1975 unter. Sie ist an der Schleyer-Entführung beteiligt und hält sich 1977 in Bagdad auf. Dort verliert sich ihre Spur.

Silke Maier-Witt

Die 1950 geborene Witt ist Kurier bei der Schleyer-Entführung. 1979 steigt sie aus und flüchtet in die DDR. 1990 festgenommen und zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nach der Hälfte kommt sie frei und schließt ihr Psychologiestudium ab. Danach arbeitet Witt als "Friedenskraft" im Kosovo.

Brigitte Mohnhaupt

Die Anführerin der zweiten RAF-Generation gehörte schon zur ursprünglichen Baader-Meinhof-Gruppe: Seit 1971 organisiert die 1949 geborene Kaufmannstochter die Logistik der Terrorgruppe. Bei einer Fahndungsaktion 1972 gefasst und zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, geht sie nach der Entlassung wieder in die Illegalität und organisiert die RAF neu. Mohnhaupt ist an allen Anschlägen des Jahres 1977 führend beteiligt. 1982 wird sie verhaftet und erhält fünfmal "lebenslänglich" und zusätzlich 15 Jahre Haft.

Adelheid Schulz

Eine der jüngsten Täterinnen bei der Schleyer-Entführung ist sie 1978 auch an einer Schießerei mit niederländischen Zöllnern beteiligt; zwei Beamte sterben. 1982 wird sie verhaftet, zu dreimal "lebenslänglich" verurteilt, kommt aber 1998 aus "Gesundheitsgründen" frei. Seither lebt Schulz arbeitsunfähig in Frankfurt/Main.

Ingrid Siepmann

Eigentlich gehört die 1944 geborene Siepmann zur Terrorgruppe 2. Juni. Sie wird 1974 wegen Banküberfällen zu 13 Jahren Haft verurteilt. 1975 tauscht die Bundesregierung sie gegen den entführten Berliner CDU-Politiker Peter Lorenz aus und lässt sie in den Jemen fliegen. Siepmann soll später im Libanon-Krieg gestorben sein.

Sigrid Sternebeck

Zusammen mit Albrecht und Maier-Witt lebt Sigrid Sternebeck seit 1973 in einer WG in Hamburg. Seit 1977 in der Illegalität ist sie an der Schleyer-Entführung und dem Attentat auf General Haig beteiligt. Ab 1980 mit Baptist Ralf Friedrich in der DDR. 1990 verhaftet, wird sie zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie lebt heute als Fotografin in Norddeutschland.