Anti-Terror-Kampf: Scotland Yard stürmt Moschee in London

London - Mit einem spektakulären Schlag gegen die wachsende Bedrohung durch terroristische Netzwerke in Großbritannien haben Beamte der Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard eine Moschee gestürmt und dabei sieben verdächtige Personen festgenommen, sechs von nordafrikanischer Herkunft sowie einen nicht weiter bezeichneten «Osteuropäer». Das Alter der Inhaftierten liegt zwischen 22 und 48 Jahren.

Die Moschee befindet sich im nördlichen Londoner Stadtteil North Finsbury und ist berüchtigt wegen des dort jeweils am Freitag jeder Woche predigenden Scheichs Abu Hamsa Al Masri, der sich vor allem als Befürworter eines «Heiligen Kriegs» gegen alle «Ungläubige» hervor tut und seit langem wegen seiner Beziehungen zu Al Qaida observiert wird.

Bei der Razzia wurde der Imam jedoch nicht festgenommen. Der in Ägypten geborene Prediger - er ist inzwischen britischer Staatsbürger - konnte sich gestern auf einer Straße in der Nähe der Moschee den TV-Kameras stellen und erklären, das Vorgehen komme einem «Krieg der Blair-Regierung gegen den Islam» gleich. Alle möglichen Spuren von Chemikalien, die man in den Räumen der Moschee finden würde, «wären dort von der Polizei platziert worden», so der islamistische Scheich.

Scotland Yard konterkarierte diese Spekulation mit dem Hinweis, man habe keine Giftstoffe oder Spuren derselben an Ort und Stelle gefunden. Trotzdem steht die Razzia in direkter Verbindung mit den beiden anderen jüngsten Durchsuchungen in Wood Green in London und in Manchester.

In Wood Green, nur drei Kilometer nördlich der Finsbury Park Moschee gelegen, war am 7. Januar eine primitive Werkstatt zur Herstellung des tödlichen Giftes Ricin ausgehoben und mehrere Personen, vornehmlich algerischer Herkunft, verhaftet worden. Auf diese Entdeckung ging dann in der vorigen Woche die Razzia in Manchester zurück, bei welcher der Detektiv Stephen Oakes durch Messerstiche starb, die ihm einer der dort festgenommenen Algerier beigebrachte hatte.

Solchermaßen gewarnt, gingen die Beamten von Scotland Yard gestern früh kein Risiko ein. Sie kamen in einem Aufgebot von 150 Polizisten, die mit Hilfe von stählernen Rammböcken die Eingangstür der Moschee aufbrachen, die sieben Verdächtigen festnahmen und dann mit ihrer Untersuchung begannen. Ausdrücklich wurde der zentrale religiöse Raum, Ort der täglichen Gebete, nicht betreten.

Mit dem langmütigen Vorgehen der britischen Behörden gegen Umtriebe von Leuten wie dem Imam Abu Hamsa dürfte es seit dem Ricin-Fund vorbei sein. Angesichts der Bedrohung, der sich die Insel jetzt durch «mehrere Terroristennetze», wie Scotland Yard sagt, ausgesetzt sieht, wird eine härtere Gangart zur Norm. Die Möglichkeiten der Anti-Terror-Gesetze sollen ausgeschöpft werden.