Ermittlungen

Wenig Hoffnung im Fall Inga

Seit zwei Monaten ist die Fünfjährige vermisst. Die Polizei bekommt nur noch wenige Hinweise

Neun Wochen nach dem Verschwinden der kleinen Inga aus Schönebeck bei Stendal (Sachsen-Anhalt) hat die Polizei aus Sicht eines Experten fast alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die Fünfjährige zu finden. Bei der Suche und Fahndung sei wirklich viel versucht worden, sagt der Vereinschef der Initiative „Vermisste Kinder“, Lars Bruhns. Doch je mehr Zeit vergehe, desto unwahrscheinlicher sei es, dass sich ein Zeuge mit dem entscheidenden Hinweis melde. Neue Fahndungsaufrufe brächten jetzt erfahrungsgemäß nicht mehr viel, so Bruhns. „Unsere Erfahrung sagt uns leider, dass oft gerade Fälle mit kleinen Kindern nie oder eher zufällig aufgeklärt werden.“ Die Polizei müsse weiter ermitteln. „Aber alles, was man für eine Fahndung weiter veröffentlicht, ist jetzt nicht mehr so ergiebig.“ Bruhns unterstützt in der Initiative seit 17 Jahren Familien vermisster Kinder. Inga war Anfang Mai in einem Waldstück bei Stendal spurlos verschwunden. Seitdem hat die Polizei mehr als 1000 Hinweise bekommen.

Zentrales Expertenteam gefordert

Inzwischen kämen nur noch vereinzelte neue Tipps aus der Bevölkerung dazu, wie ein Polizeisprecher in Magdeburg sagte. Eine heiße Spur zu dem Mädchen habe sich bisher nicht ergeben. Die eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe „Wald“ ist dem Sprecher zufolge jedoch weiter mit 30-köpfiger Besetzung im Einsatz. Mehrfach waren Waldstücke in der Region durchsucht worden, wo Inga verschwand.

Lars Bruhns hatte ein zentrales Expertenteam gefordert, das beim Verschwinden kleiner Kinder bundesweit die Suche koordinieren solle. Doch nach den bisherigen Gesprächen seiner Organisation „Vermisste Kinder“ scheint eine bundesweit zentrale Einheit derzeit utopisch. „Wir haben von vielen Landespolizeibehörden eine Rückmeldung, dass das mit den föderalen Strukturen nicht vereinbar ist. Der Ansatz ist aber nach wie vor richtig.“ Bruhns schlägt vor, dass eine Expertenstelle je Bundesland eingerichtet wird. Er hofft, „dass erst mal ein Land unsere Idee aufgreift“. Andere Länder wie die Vereinigten Staaten und Polen zeigen ihm zufolge, wie wichtig kontinuierlich arbeitende Spezialisten bei Vermisstenfällen sind. Sie hätten die Erfahrung, die Öffentlichkeit sofort über alle Kanäle zu informieren und alle wichtigen Maßnahmen rasch einzuleiten. Heute vergehe zu viel Zeit, bis die Fahndung richtig anlaufe. Die besten Hinweise kämen aber sofort nach dem Verschwinden eines Kindes. „Bei der derzeitigen deutschen Regelung sind viele Absprachen nötig, die gerade direkt nach dem Verschwinden so viel wertvolle Zeit kosten.“