Verbot

Sieg für Nostalgie-Fans

Paternoster fahren wieder für alle. Schutzvorkehrungen vorgeschrieben

In vielen Städten regten sich Bürgerproteste, als vor einem Monat bekannt wurde, dass Besucher von Rathäusern, Verwaltungen und Unternehmen künftig keine Paternoster mehr benützen dürfen. „Null Verständnis“ habe er für die Neuregelung, wetterte auch Stuttgarts grüner Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle. „Das ist doch nah am Wahnsinn!“, schimpfte Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD). Die Aktionen haben gewirkt: Künftig dürfen alle wieder in die Umlaufaufzüge steigen.

Neubauverbot ab 1972

Zunächst war das Paternosterverbot kaum jemandem aufgefallen. Es versteckte sich in einer 58-seitigen Betriebssicherheitsverordnung. „Der Arbeitgeber“, stand dort, „hat dafür zu sorgen, dass Personenumlaufaufzüge nur von durch ihn eingewiesenen Beschäftigten verwendet werden.“ Die Verordnung trat am 1. Juni in Kraft.

Schon 1972 wurde in einer Verordnung festgelegt: Neue Personenumlaufaufzüge dürfen nicht mehr gebaut, bestehende sollen bis Ende 1994 stillgelegt werden. Doch schon damals verhinderten heftige Proteste ein Verbot. Jetzt schien selbst die formal Verantwortliche, Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), nicht mehr erfreut über die strikte Neuregelung aus ihrem Haus. Der Entwurf für die Verordnung mit der Paternoster-Einschränkung stammt von 2013 – damals hieß die Arbeitsministerin noch Ursula von der Leyen. Nun – noch vor dem Inkrafttreten – kündigte das Arbeitsressort an, die Paragrafen erneut ändern zu wollen: Die Bundesländer sollten Ausnahmen zulassen können.

Nun kommt stattdessen die fast ganz große Freiheit: Die gemütlichen Gefährte sollen generell wieder für alle ihre Runden drehen. Betreiber werden aber verpflichtet, „durch zusätzliche Maßnahmen Gefährdungen bei der Benutzung zu vermeiden“. Unbestritten ist, dass Paternoster Gefahren bergen. Fälle sind aktenkundig, bei denen sich Benutzer einklemmten oder Knochen brachen. Benutzer sollen auch immer wieder versuchen, Lasten zu transportieren – was selten gut geht.

Was sollen Betreiber nun tun? Etwa Piktogramme über die richtige Nutzung anbringen – wie bei Rolltreppen im Kaufhaus. Auch Ampeln wurden diskutiert: Wenn die Kabine sich entfernt, könnte ein warnendes Rot leuchten. Auch von Lichtschranken ist die Rede. Klar ist: Betreiber haften, wenn etwas passiert, wenn sie keine Vorkehrungen ergriffen haben, ist das eine Ordnungswidrigkeit. Der Bundesrat muss der Neuregelung noch zustimmen, aber es gilt als sicher, dass das Gremium für das Kulturgut stimmen wird.