Ermittlungen

Der Schuss fiel sofort

In Hamburg wollte ein Mann in ein Privathaus eindringen. Schütze bleibt auf freiem Fuß

Zwei Männer klingeln spätnachts an der Haustür. Als der Eigentümer einen Spaltbreit öffnet, treten sie die Tür ein – da zieht der Hausbewohner eine Pistole und schießt.

In einer Eigenheim-Siedlung im Hamburger Stadtteil Jenfeld haben sich in der Nacht zum Mittwoch dramatische Szenen abgespielt. Bei dem Überfall wird einer der beiden Eindringlinge, ein 25 Jahre alter vorbestrafter Schwarzafrikaner, durch die Kugel schwer verletzt. Er versucht noch, gemeinsam mit dem Komplizen zu entkommen, bricht aber kurz darauf zusammen und verstirbt noch vor Ort. Sein Komplize kann flüchten. Der 63 Jahre alte Hauseigentümer Dieter B. wird nach einem Polizeiverhör wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Justiz geht von Notwehr aus.

Nach bisherigem Ermittlungsstand hatten die beiden Einbrecher bereits kurz vor dem Überfall schon einmal bei Hauseigentümer Dieter B. geklingelt und sich bei ihm – offenbar zum Schein – erkundigt, ob „hier gerade ein Krankenwagen war“. Als Dieter B. verneinte, zogen sie zunächst wieder ab, betätigten dann aber etwa 15 Minuten später gegen 23 Uhr erneut die Türklingel. Als der Hausbesitzer die mit einem Sperrriegel zusätzlich gesicherte Eingangstür ein wenig öffnete, versuchten die Täter den Mann zu überrumpeln.

Womit sie offenbar nicht gerechnet hatten: Dieter B. war bewaffnet. Nachdem der 25-jährige Afrikaner von der Kugel getroffen wurde und zu flüchten versuchte, brach er etwa 150 Meter von dem Einfamilienhaus entfernt zusammen. Passanten fanden ihn und verständigten Rettungsdienste und die Polizei. Sanitäter versuchten vergeblich, ihn wiederzubeleben.

Dieter B. lebt zusammen mit seinem bettlägerigen Vater in dem Einfamilienhaus. Vor etwa einem halben Jahr war bei den beiden bereits eingebrochen und eine größere Geldsumme gestohlen worden. Der Hausbesitzer verständigte nach dem Schuss selbst die Polizei. Er wurde vorläufig festgenommen und der Mordkommission übergeben. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt, sah aber keine Voraussetzung für die Beantragung eines Haftbefehls gegen den 63-Jährigen. Nach einer Vernehmung und erkennungsdienstlichen Behandlung wurde er am Mittwochnachmittag wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen, wie eine Polizeisprecherin sagte.

Bis Mai wegen Raubes in Haft

Der Hausbesitzer soll früher Mitglied in einem Schützenverein gewesen sein. Ob er tatsächlich eine Waffe bei sich führen durfte und die entsprechenden rechtlichen Voraussetzungen dafür erfüllt hat, war zunächst unklar. „Dazu sagen wir nichts“, so die Polizeisprecherin. Das wird nun geprüft.

Der getötete mutmaßliche Einbrecher stammt nach Informationen der Berliner Morgenpost aus Nigeria und war der Polizei in der Vergangenheit bereits wegen anderer Delikte aufgefallen. Bis Mai hatte er eine dreijährige Haftstrafe wegen Raubes abgesessen. Er lebte seit längerem in Hamburg. Nach seinem Komplizen wird gefahndet.

Erst vor rund zwei Wochen hatte ein 40-Jähriger in Hannover auf einen mutmaßlichen 18 Jahre alten Einbrecher geschossen. Dieser starb später im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Der Schütze berief sich auf Notwehr. Die Ermittler sehen aber Ungereimtheiten in seiner Darstellung. Der Chef einer Autowerkstatt sitzt wegen des Verdachts des Totschlags in Untersuchungshaft. Nach einem Bericht von „Spiegel Online“ vom Mittwoch hat der Schütze offenbar bewusst auf den 18-Jährigen gezielt. Die Kugel habe den Jugendlichen von hinten getroffen, als er geflüchtet sei, heißt es unter Berufung auf Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft.

Bei einem Haftprüfungstermin am vergangenen Montag entschied das Amtsgericht Hannover demnach, dass der 40-Jährige in Untersuchungshaft bleibt. Der Anwalt des Hausbesitzers hielt jedoch gegenüber „Spiegel Online“ daran fest, dass sein Mandant aus Angst um sein Leben geschossen habe. Auch hätte der Jugendliche möglicherweise nicht sterben müssen, wenn seine drei inzwischen ermittelten Komplizen ihn nicht im Stich gelassen hätten, so der Anwalt.