Trauerfeier

Letzter Gruß der Bleichgesichter

Freunde und Fans nehmen in München Abschied von „Winnetou“ Pierre Brice

Ein Schauspieler ist gestorben, doch es wirkt, als sei Winnetou höchstselbst ein zweites Mal in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Freunde und Fans versammeln sich am Donnerstag in München zum Abschied von Pierre Brice, der den Apachenhäuptling in den Filmen der 60er-Jahre wie kein anderer verkörpert hat. Die Jesuitenkirche Sankt Michael ist restlos voll, schon am Morgen hatte sich eine lange Schlange vor der Kirche gebildet. Hunderte sind in einer Seitenkapelle am Sarg des Franzosen vorbeidefiliert, Kondolenzbücher lagen aus. „Er war der Held meiner Jugend“, sagte eine Münchnerin. Winnetou habe ihr Werte wie Mut vermittelt. Viele tragen Weiß – wie es sich Brice gewünscht hatte. Ein letzter Gruß der Bleichgesichter.

Brice’ Sarg war mit einer französischen Flagge und weißen Rosen geschmückt. „Ich liebe Dich, Deine Frau“ stand in französischer Sprache auf einem Herz aus weißen Rosen – ein letzter Gruß seiner Frau Hella. Das Trauerblättchen, das an die Gäste verteilt wurde, zierte ein von Brice gemaltes Bild mit dem Titel „Sonnenaufgang“. Innen drin stand: „Nein, ich verlasse Euch nicht. Meine Seele wird immer mit Euch sein.“

Pierre Louis de Bris, so sein Geburtsname, starb am 6. Juni in Paris in den Armen seiner Frau. Er wurde 86 Jahre alt. Geboren 1929, durchlief er eine eigentümliche Karriere. Als Sohn eines Marineoffiziers hilft er seinem Vater im Widerstand gegen die Deutschen. Später kämpft Brice als Berufssoldat in Indochina und Algerien. Dann aber wird er von dem deutschen Produzenten Horst Wendlandt als Mime entdeckt. Seine Verkörperung des Apachenhäuptlings Winnetou macht ihn in den 60er-Jahren international berühmt.

Die Münchner Trauerfeier, vom Verstorbenen selbst geplant, erinnert nicht nur an Pierre Brice als Winnetou, sondern auch an sein soziales Engagement, etwa als Unicef-Botschafter oder in der Hilfe für bosnische Kriegsopfer. Freunde und Weggefährten kommen zu Wort, dann wird der mit der französischen Trikolore bedeckte Sarg unter den anrührenden Mundharmonikaklängen aus den Winnetou-Filmen aus der Kirche gerollt und in einen weißen Leichenwagen verfrachtet. Seine letzte Ruhe findet Brice in Gräfelfing bei München, dem Wohnsitz seiner Schwägerin. „Meine ewigen Jagdgründe liegen in Deutschland“, hat er einmal bekundet.