Germanwings-Katastrophe

Konvoi bringt tote Schüler in die Heimat

Opfer der Germanwings-Katastrophe sind in Haltern eingetroffen. Nach elf Wochen können die Angehörigen endlich Abschied nehmen

Ihre Angehörigen können nun Abschied nehmen: Zweieinhalb Monate nach der Germanwings-Katastrophe in den französischen Alpen sind 16 Schüler, ihre beiden Lehrerinnen sowie 26 weitere Opfer nach Deutschland zurückgebracht worden. Ein Konvoi aus 16 weißen und schwarzen Leichenwagen fuhr nach Haltern am See – die Spanischschüler der zehnten Klasse stammten aus der Stadt am nördlichen Rand des Ruhrgebiets. Angehörige der insgesamt 44 zurückgebrachten Toten nahmen am Mittwoch, abgeschottet von der Öffentlichkeit, die Särge mit den sterblichen Überresten am Flughafen Düsseldorf in einer Zeremonie in Empfang.

Vorbeifahrt am Gymnasium

Der Konvoi wurde gesäumt von einer Polizei-Eskorte und Wagen mit Angehörigen. In Haltern fuhren die Wagen am Joseph-König-Gymnasium vorbei, in dem die Jugendlichen zur Schule gingen. Viele Menschen mit weißen Rosen und Lichtern in den Händen drückten am Straßenrand ihre Anteilnahme aus. Unter ihnen waren viele Schüler des Gymnasiums, die sich an den Händen hielten und Tränen in den Augen hatten.

Am Dienstag war international die Rückführung der 150 Leichen aus Frankreich gestartet worden, wie die Fluggesellschaft Germanwings bekannt gab. Die Särge werden teils in Linienflügen in die jeweilen Heimatländer gebracht. Am kommenden Montag soll noch eine Sondermaschine Särge nach Spanien bringen. 51 Opfer stammen von dort, aus Deutschland insgesamt 72.

Die ersten 44 Särge der deutschen Opfer hatte eine Sondermaschine am Dienstagabend nach Düsseldorf geflogen. Nach der Landung rollte die Lufthansa-Maschine mit den Opfern in eine nicht einsehbare Halle. Am Gedenkort für die Toten am Flughafen standen Blumen und Pinnwände mit Zetteln, auf denen Menschen ihre Anteilnahme mit den Angehörigen ausdrückten.

Bei der Katastrophe in den Alpen starben alle 150 Menschen. Das Flugzeug zerschellte in den Bergen, nachdem der Copilot absichtlich einen Sinkflug auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf eingeleitet haben soll. Die Gruppe aus Schülern und Lehrerinnen war nach einem Schüleraustausch auf dem Rückflug aus Spanien, als die Maschine abstürzte.

Mit Blick auf die vergangenen Wochen kritisierte eine Therapeutin aus dem Betreuerteam der Hinterbliebenen, dass für die Angehörigen ein zentraler Ansprechpartner fehle. „Es gibt eine Sache, die eindeutig schiefgelaufen ist“, sagte Sybille Jatzko der „Berliner Zeitung“ vom Mittwoch. Es fehle ein Ombudsmann, bei dem die Informationen gebündelt werden und der sie dann verbreite, damit alle Hinterbliebenen den gleichen Nachrichtenstand haben. Die Angehörigen hätten nicht die Kraft, sich selbst um alles zu kümmern. „Nach dem Unglück bei der Loveparade in Duisburg gab es so einen Ansprechpartner, das hat gut funktioniert“, sagte Jatzko über das Techno-Festival, bei dem vor fast knapp Jahren 21 Menschen ums Leben kamen und Hunderte verletzt wurden. Jatzko bereut seit der Flugtag-Katastrophe von Ramstein im Jahr 1988 traumatisierte Hinterbliebene.

Nicht darüber hinwegkommen

Dass die Leichname nun zuhause sind, sei ein wichtiger Schritt für die Angehörigen, sagte die Psychotherapeutin Susanne Schaal am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. „Es verdeutlicht die Realität des Verlustes und kann somit den Trauerprozess erleichtern. Es kann die Akzeptanz des Verlustes fördern und eine innere Ruhe mit sich bringen“, so die Expertin.

Der Verlust eines Kindes sei besonders schwer zu verkraften. „Nicht nur, dass die Trauerreaktion stärker ist, sie hält auch länger an“, sagt Schaal. „Die Personen sind oft schwerer therapierbar. Beim Verlust eines Kindes, wenn also die Generationenfolge verletzt wird, gibt es Fälle, die nie darüber hinwegkommen.“

Am Donnerstag treffen Angehörige der Opfer in Paris den leitenden französischen Ermittler Brice Robin. Der Staatsanwalt von Marseille will sie unter anderem über den Stand der Ermittlungen informieren. Die Lufthansa will die Überführung der Germanwings-Todesopfer am kommenden Montag fortsetzen. Dann werde eine Sondermaschine von Marseille nach Barcelona starten, sagte ein Sprecher der Airline am Mittwoch in Frankfurt.