Adel

Tadel verpflichtet

Mit dem Thronwechsel haben es Felipe und Letizia in nur einem Jahr geschafft, das spanische Königshaus wieder populär zu machen

Als die spanische Thronfolgerin zu ihrer ersten Kommunion schritt, trug sie Uniform. Ungewöhnlich in einem Land, wo die Mädchen an diesem Ehrentag in Weiß gehen, mit Schleifen im Haar oder komplizierten Frisuren, vielleicht dem ersten Lipgloss. Die Erstkommunion ist ein wichtiges Fest in der spanischsprachigen Welt, die Mütter donnern ihre Töchter gern auf wie frühreife Bräute. Leonor de Todos los Santos de Borbón y Ortiz aber trug Schuluniform, dunkelblauen Blazer, grauen Faltenrock, genau wie ihre Klassenkameradinnen vom Colegio Santa María de los Rosales in Madrid. Leonors Eltern, der König und die Königin von Spanien, hatten genau wie die übrigen Eltern am Vorbereitungsgespräch der Schule teilgenommen, Felipe VI. hatte den Audi selbst gesteuert, so wie er es immer macht, wenn er seine beiden Töchter zur Schule bringt. Und weil er darauf bestanden hatte, auch bei der Messe in der Kirche keine Umstände zu machen, blieb es bei der Sitzordnung in alphabetischer Reihenfolge: Die Bourbonen kamen in die zweite Reihe, zuerst A, dann B.

Bilder für die Medien gab es erst nach der Zeremonie, interessante Bilder, trotz der langweiligen Schuluniform. Dafür sorgte Königin Letizia. Kein Pressebericht, kein Styleblog, der nicht erwähnte, dass sie zu ihrem maigrünen Ensemble durchsichtige Pumps trug, „Schuhe wie von Cinderella!“. Bürgerliche Bescheidenheit mit einem Kick Glamour. Das ist der neue Kurs des spanischen Königshauses. Als Juan Carlos nach fast 39 Herrschaftsjahren im Juni 2014 abdankte und die Krone seinem Sohn übergeben wollte, zogen in Spanien die Monarchiegegner auf die Straßen, keinen neuen König wollten sie, sondern endlich eine Republik.

Einschnitte im königlichen Etat

Heute gibt es keine Demonstrationen mehr, laut der letzten Meinungsumfrage rangiert der 47-jährige Felipe in der Wertschätzung der Spanier direkt hinter dem Papst, Gattin Letizia folgt an dritter Stelle. Nur ein Jahr hat Felipe VI. gebraucht, um die Spanier zu überzeugen. Durch harte Einschnitte in den königlichen Etat. Und dank Letizia, der früheren Fernsehjournalistin. Sie hilft ihm, sensibel auf gesellschaftliche Stimmungen zu reagieren und umgibt ihn mit einer Eleganz, die trotz aller Raffinesse bürgerlich geerdet wirkt und nie höfisch abgedreht. Cinderella-Schuhe statt Wagenrad-Hut.

Eine erneuerte Monarchie für eine neue Zeit hatte Felipe in seiner Antrittsrede am 19. Juni vergangenen Jahres versprochen, einer Rede, die zeigte, dass er sich bewusst war, was für eine heikle Aufgabe da auf ihn zukam: Ein Land zusammenzuhalten, das von mehreren Krisen gleichzeitig heimgesucht wird und in dem die Glaubwürdigkeit der Institutionen schwindet. Im Februar senkte Felipe sein Bruttogehalt um 20 Prozent auf 234.000 Euro jährlich. Letizia erhält im Jahr rund 128.000 Euro, der Senior-König Juan Carlos 187.000 Euro, für die beiden Schwestern Felipes gibt es gar nichts mehr. Das Budget der Casa Real beträgt nach wie vor 7,7 Millionen Euro, was er bei den Gehältern spart, investiert Felipe in die technische Modernisierung des Königspalastes.

Er strich allerhand Leuten allerhand Privilegien, und er reduzierte die Mitgliederzahl der „Königlichen Familie“ auf den innersten Kern: auf sich und Letizia, das alte Königspaar Juan Carlos und Sofía und die zwei Kinder. Felipes Schwestern gehören nicht mehr dazu.

Die neue Transparenz im Königshaus ist ein deutliches Signal an die Untertanen, die tagtäglich von neuen Korruptionsskandalen und anderen Politschurkereien in der Zeitung lesen können. Es war höchste Zeit. Was Politiker zu erwarten haben, die sich nicht von der alten Amigo- und Selbstbedienungsmentalität lösen können, haben kürzlich die Regionalwahlen gezeigt: Die traditionellen Großparteien wurden abgestraft, sie müssen ihre Macht nun mit den neuen Protestparteien teilen, die gegen Korruption und Verschwendung antreten.

Bizarrer Afrika-Ausflug

Für Felipe, Letizia und vielleicht sogar für Felipes Mutter, Königin Sofía, musste spätestens 2012, seit dem bizarren Afrika-Ausflug des alten Monarchen, klar gewesen sein: Wenn Juan Carlos so weitermacht, wird die Monarchie sich selbst abschaffen. Der damals 74-jährige König war zur Elefantenjagd nach Botswana aufgebrochen und zwar, wie erst dann aufflog, mit seiner Geliebten, der Deutschen Corinna zu Sayn-Wittgenstein. Juan Carlos hatte Corinnas Sohn die Reise zum zehnten Geburtstag geschenkt. Und das mitten in der spanischen Wirtschaftskrise, als die Arbeitslosigkeit auf Rekordhöhe war und täglich Familien, die ihre Schulden nicht mehr bezahlen konnten, durch Zwangsenteignungen ihre Wohnungen verloren. Diese kolonialistisch anmutende Lustreise in ihrer Kombination von Pflichtvergessenheit, Betrug und Tierjagd, war einfach zu viel. Als dann auch noch Felipes Schwester, die Infanta Cristina, mit ihrem Mann unter Korruptionsverdacht geriet, schien das spanische Schurkendrama auch das Königshaus erreicht zu haben.

Felipe wusste, dass er einen Schlussstrich ziehen musste. So deutlich, dass es alle begreifen würden: Mit Felipe beginnt eine neue Ära. Der Strich war dick genug.