Meteorologie

„Der Sommer ist nicht weg, er ist nur woanders“

Der Frühling war besser, als die meisten denken. Aber wie wird die warme Jahreszeit?

Hubertus, der Name steht für kaltes, trübes Wetter. Am dritten November, dann also, wenn die Jäger in den dunklen Wald ausschwärmen, hat Hubertus seinen Namenstag. Ein bisschen passt es deshalb, leider, dass der meteorologische Sommerbeginn am Montag von einem Tief namens „Hubertus“ dominiert wird. Zwischen Norwegen und Island sitzt es, und es schickt uns kühle, feuchte Luft nach Mitteleuropa.

Das wechselhafte Wetter zum Frühlingsausklang, das die Garten- und Biergartenfreunde hart geprüft hat, dürfte sich also fortsetzen. Falls es für jemanden ein Trost ist: Die Mai-Temperaturen 2015 lagen nach Auskunft der Klimaforscher um etwa ein halbes Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt des „Wonnemonats“. Dominik Jung, Meteorologe bei Wetter.net, weist allerdings darauf hin, dass der dafür herangezogene Vergleichszeitraum 1961 bis 1990 bereits sehr weit zurückliegt. Vergleicht man 2015 dagegen mit dem aktuelleren Mittelwert von 1981 bis 2010, so war der gerade ausgeklungene Mai kühler.

Gefühlt dürfte für viele der Mai noch kühler gewesen sein. Auch wenn Pfingsten in diesem Jahr zwei Wochen früher lag als im Vorjahr, so ist es schon bemerkenswert, dass die Temperaturen an den Feiertagen zwischen 15 und 20 Grad niedriger lagen als 2014. Der Frühling insgesamt, also einschließlich der Monate März und April, war allerdings bei allen Vergleichen überdurchschnittlich warm, eher trocken und sonnig.

Zum Wetter in den ersten Juniwochen liegen widersprüchliche Prognosen der einzelnen Dienste vor, die bisweilen am nächsten Tag schon wieder ganz andere Vorhersagen treffen. Es sei derzeit eben „sehr komplex“, heißt es.

Die Klima- und Wetteragentur NOAA aus den USA, ausgestattet mit Geschwadern von Satelliten und Großrechnern, prophezeit für Mitteleuropa nur einen mäßig warmen Sommer. Auch Dominik Jung sagt, die Wahrscheinlichkeit für einen wechselhaften, durchwachsenen Sommer liege bei 60 Prozent. Wobei es im äußersten Osten warm und sonnig bei bis zu 28 Grad anfange, im Westen und Norden dagegen „gruselig“, feucht werde, mit Höchsttemperaturen zwischen 13 und 17 Grad, örtlicher Bodenfrost nicht ausgeschlossen. Letztlich richten sich die Großwetterlagen in Europa danach, wie dynamisch das atmosphärische Geschehen über dem Atlantik ist: Entscheidend ist die Nordatlantische Oszillation (NAO), wie die Unterschiede in den Druckverhältnissen zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch bezeichnet werden. Je deutlicher sie ausfallen, desto häufiger sind wir „Westlagen“ ausgesetzt, dem Meeresklima. Das bringt uns milde, nasse Winter und nur mäßig warme, feuchte Sommer. Die NAO war besonders ausgeprägt in den frühen und mittleren 90er-Jahren, anschließend schwächte sie sich ab. In den letzten 20 Jahren hatte sie häufig sogar negative Vorzeichen, der Einfluss des Atlantikwetters schwächelte. Die Folge: „Ostlagen“, Kontinentalklima aus Sibirien mit heißen, trockenen Sommermonaten und eisigen Winterzeiten. Seit 2010 schwankt die NAO zwischen dem Plus- und Minusbereich, bisher noch ohne deutliche Tendenz. „Der Sommer ist nicht weg, er ist nur woanders“, sagt Jung. In Weißrussland seien in den vergangenen Tagen Temperaturen um die 30 Grad gemessen worden. Nichts wie hin also, nach Minsk, im Cabriolet.