Gewalt

Neun Tote bei Schießerei unter Rockern

Verfeindete Banden liefern sich vor Restaurant in der texanischen Stadt Waco eine blutige Schlacht. Die Polizei nimmt 192 Personen fest

Wilder Westen in Texas: Die Rockerbanden Bandidos und Cossacks haben sich in der Stadt Waco einen heftigen Kampf geliefert. Die rivalisierenden Banden waren nach Polizeiangaben mit noch drei weiteren kleineren Gangs in der 130.000-Einwohner-Stadt aufeinander getroffen. Die etwa 200 Rocker wollten offenbar neue Mitglieder rekrutieren und ihre Einflusszonen nicht nur in Texas, sondern auch in anderen Bundesstaaten erneut abstecken.

Gegen Mittag kam es in dem Restaurant „Twin Peaks“, einem bekannten Bikertreffpunkt, zu Streit unter den Banden. Dabei gingen die Mitglieder mit Fäusten, dann mit Messern, Ketten und Baseballschlägern aufeinander los. Am Ende standen sich die Rocker mit Pistolen und Gewehren auf einem Parkplatz gegenüber. Neun Motorradfahrer starben, 18 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Polizei, die das Treffen beobachtet und offenbar eine Eskalation befürchtet hatte, nahm Dutzende von Rockern fest. Mehr als 100 Schusswaffen wurden sichergestellt, 192 Personen verhaftet. „Es ist ein Wunder, dass keine unschuldigen Bürger getötet wurden“, sagte Polizeisprecher Patrick Swanton. „Das ist der am meisten verwüstete Tatort, den ich in 34 Jahren bei der Polizei gesehen habe.“

Streit um Einfluss

Auch am Tag nach der Schießerei herrschte in Waco erhöhte Alarmbereitschaft. Die Behörden befürchten, dass der Kampf zwischen den gegnerischen Banden noch nicht beendet ist und neu entflammen könnte. Die Polizei rief die Bürger auf, das Gebiet, wo es zu der Schießerei gekommen war, weiträumig zu meiden. Was die Eskalation der Gewalt auslöste, ist bisher noch unklar. Der Restaurantbesitzer, der die Biker offenbar zu sich eingeladen hatte, verweigerte wie auch die festgenommenen Bandenmitglieder die Aussage. Vieles scheint dafür zu sprechen, dass hinter der Schießerei in erster Linie die Bandidos standen, die seit Jahren versuchen, ihren Einfluss in Texas auszubauen. Einer ihrer Gegner ist die kleinere Gruppe der Cossacks und ihrer Verbündeten, die ebenfalls mehr Einfluss in dem „Lone Star State“ wollen. „Das sind keine pensionierten Zahnärzte oder Anwälte, die auf ihren Harleys herumfahren“, sagte Wacos Polizeisprecher Swanton. Mit einer Motorradgruppe haben die Bandidos, die im Jahr 1966 von dem Texaner Don Chambers in Anlehnung an mexikanische Gesetzlose gegründet wurden, tatsächlich nichts mehr zu tun. Das US-Justizministerium zählt sie zum organisierten Verbrechen. Sie sollen nicht nur in Drogengeschäfte verwickelt sein, sondern sind auch gefürchtet für ihre Brutalität gegenüber ihren Gegnern.

Immer wieder werden Rivalen bei sogenannten „Drive-by shootings“, von vorbeifahrenden Motorrädern aus erschossen. Chambers wurde 1972 nach der Ermordung von zwei Drogendealern in El Paso verhaftet und später zu zweimal lebenslänglicher Gefängnisstrafe verurteilt. Trotz der Verurteilung ihres Gründers sind die Bandidos in den vergangenen Jahren immer stärker gewachsen und gelten nach ihrem größten Rivalen, den Hells Angels, als zweitgrößte Rockerbande der Welt. Bekannt sind sie für ihr Motto: „Wir sind die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt hatten“. Und für ihre absolute Loyalität innerhalb der Gruppe. „Wird einer von uns verletzt, bluten wir alle“, ist eins der wichtigsten Gebote der Bikergruppe.

„Diese Jungs gehören zum organisierten Verbrechen und sind Terroristen“, sagt Steve Cook gegenüber der „Washington Post“. Der frühere Undercover-Agent der Polizei im Bundesstaat Kansas hatte über Jahre Rockerbanden ausspioniert. Dabei will er auch regelmäßig Kontakt zu den Bandidos gehabt haben. „Ihr Hauptgeschäft sind Drogen wie Meth, Marihuana, Kokain sowie Diebstähle von Motorrädern“, sagt Cook. „Mit dem Bild von Harley-Begeisterten, die gerne ihre Bikes fahren, hat das nichts zu tun.“

Tausende Rocker weltweit

Insgesamt, so glaubt das US-Justizministerium, gibt es mittlerweile weltweit mehr als 2500 Bandidos. Sie verteilen sich auf 210 einzelne Gruppen in weltweit 13 Ländern. Die meisten von ihnen leben in den USA, wo sie in mehreren Bundesstaaten ihr Unwesen treiben. Aber auch in Kanada, Australien und Europa treten die Rocker auf und sorgen mit blutigen Auseinandersetzungen immer wieder für Schlagzeilen.

„Die Rivalität zwischen den Bandidos und den Hells Angels dürfte jetzt auch die Schießerei in Waco ausgelöst haben“, sagte Cook. Die Cossacks (Kosaken) gelten als Verbündete der „Höllenengel“ und in den Augen der „Banditen“ als Todfeinde. „Und die Anzahl der von der Polizei sichergestellten Waffen ist ein Beweis dafür, dass sie zu einem Kampf nach Waco gekommen waren.“