Unglück

Feuerinferno kurz nach Mitternacht

In Rom zerstört ein Brand ein Terminal des Flughafens Leonardo da Vinci – kaum Verletzte

Chaos am wichtigsten Luftfahrt-Drehkreuz Italiens: Ein verheerender Großbrand im Flughafen Fiumicino hat am Donnerstag den Luftverkehr von und nach Rom erheblich beeinträchtigt. Der Brand brach kurz nach Mitternacht aus, vermutlich in der Küche einer Kaffee- und Snackbar im Transitteil des Terminals 3, wie der Leiter der Zivilluftfahrtbehörde (Enac), Vito Riggio, sagte. Ursache sei möglicherweise ein Kurzschluss gewesen. Die Feuerwehr konnte den Brand den Angaben zufolge erst nach fünf Stunden löschen. Es sei noch zu früh, um den Schaden zu beziffern, fügte Riggio hinzu. Auch die Flughafenbehörde ADR sprach von einem Kurzschluss als mögliche Ursache. Die Polizei ging nicht von Brandstiftung aus.

Riesige Rauchsäulen über Italiens größtem Flughafen versetzten Menschen im Großraum der Hauptstadt in Angst und Schrecken. Noch kilometerweit entfernt war der Rauch im Morgengrauen zu sehen. Im Flughafen bewegten sich Feuerwehrleute und Angestellte mit Sauerstoffmasken oder hielten Tücher vor Mund und Nase. „Alles war eine Wand aus Rauch. In mehr als 30 Jahren habe ich so etwas noch nicht gesehen“, sagte ein Flughafenmitarbeiter. Die Behörden schlossen einen Anschlag oder Brandstiftung aus. Sie richteten ein Krisenzentrum ein.

Betrieb stark eingeschränkt

Der internationale Flugbetrieb war stundenlang stark eingeschränkt. Betroffen waren vor allem innereuropäische Verbindungen, Intercontinentalflüge wurden am frühen Morgen noch abgefertigt. Nach und nach konnten Maschinen wieder starten und landen – die Passagiere wurden in andere Terminals gebracht. In Terminal 1 und 2 kam es Presseberichten zufolge zu chaotischen Szenen. Experten erwarten, dass es Tage dauern könnte, bis im Terminal 3 wieder alles läuft.

Auch die Autobahn in der Nähe des Airports, der nach Leonardo da Vinci benannt ist, wurde vorübergehend gesperrt. Der Bahnverkehr von und nach Fiumicino war erheblich beeinträchtigt. Später fuhren wieder Züge in die Stadt. So konnten viele festsitzende Passagiere aus anderen Terminals dem Chaos Richtung Rom entkommen. Da nach Mitternacht kein großer Betrieb mehr herrschte, erlitten nach Angaben von Rettungskräften nur drei Menschen leichte Rauchvergiftungen. Sie konnten ins Freie gebracht und versorgt werden. Ein Mitarbeiter der niederländischen Fluggesellschaft KLM wurde mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus gebracht, berichtete die Zeitung „Il Messaggero“.

Das Feuer sei wahrscheinlich in der Küche einer Kaffee- und Snackbar ausgebrochen und habe sich rasend schnell ausgebreitet, hieß es. Vielleicht sei ein Kurzschluss der Auslöser gewesen. Beschäftigte im Transitteil berichteten, sofort hätten die Rauchmelder geschrillt. Die Sprinkleranlage habe die hohen Flammen aber nicht eingedämmt. Die Schäden gehen in die Millionen. Viele Duty-free-Geschäfte wurden auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern zerstört.

Papst Franziskus betroffen

Die italienische Fluggesellschaft Alitalia teilte via Twitter mit, es werde auch an anderen Flughäfen Verspätungen und Annullierungen geben. Am Donnerstag sei das gesamte Netzwerk der Gesellschaft betroffen gewesen. Fiumicino ist Alitalias Hauptdrehkreuz. Unter den betroffenen Fluglinien, die am Terminal 3 operieren, waren auch Easyjet und British Airways.

Am zweiten Hauptstadtflughafen Ciampino bildeten sich bereits im Morgengrauen lange Schlangen vor den Schaltern. „Es gab auch einige Spannungen“, berichtete ein Passagier, der eigentlich einen Flug ab Fiumicino gebucht hatte. Am Bahnhof Termini schauten Gestrandete, ob und wann sie ihr Ziel mit dem Zug erreichen könnten. Auch Papst Franziskus war indirekt betroffen. Der Pontifex wollte an dem Tag zwar keine Flugreise antreten – er sollte aber in einer Ausstellung in Fiumicino gezeigt werden. Die Flughafenbetreiber verschoben das Ereignis auf unbestimmte Zeit.