Naturkatastrophe

Eine Million Kinder in Nepal können nicht zur Schule gehen

Zum Ende der 13-tägigen Trauerzeit haben viele Nepalesen gemeinsam für die Erdbeben-Opfer gebetet und Blumen an Tempeln niedergelegt.

Im Hinduismus ist der 13. Tag nach dem Tod besonders wichtig, weil dann dem Glauben zufolge die vom Körper gelöste Seele den Himmel erreicht. Damit enden die Trauerrituale, und die Angehörigen des Toten nehmen wieder am alltäglichen Leben teil. Bei dem Himalaya-Erdbeben vor fast zwei Wochen starben nach Angaben vom Donnerstag mindestens 7800 Menschen, 7700 davon in Nepal.

Bei dem Erdbeben der Stärke 7,8 wurden in Nepal wohl doppelt so viele Häuser zerstört wie zunächst gedacht. Rund 256.000 Häuser seien kaputt, teilte das UN-Büro für Katastrophenhilfe (Ocha) mit. Weitere 213.000 Häuser seien schwer beschädigt. Vor allem die Stein- und Lehmhäuser in den Bergen hätten dem Beben nicht standgehalten. Etwa ein Viertel der 31 Millionen Einwohner Nepals ist nach UN-Schätzungen betroffen.

Unicef geht davon aus, dass fast eine Million Kinder vom Schulbesuch abgeschnitten sind. Fast 24.000 Klassenzimmer seien zerstört oder schwer beschädigt. Wie das UN-Kinderhilfswerk am Donnerstag mitteilte, könnten in Folge des Erdbebens große Bildungsfortschritte der vergangenen 25 Jahre in Nepal zunichtegemacht werden. So sei die Einschulungsrate von 64 Prozent 1990 auf heute über 95 Prozent gewachsen. Aber die Erfahrung zeige: „Je länger Kinder beispielsweise während Krisenzeiten nicht zur Schule gehen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass sie es jemals wieder tun“, warnte Unicef.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) kündigte Unterstützung beim Bau von Häusern an. Die Planungen würden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Geklärt werden müsse, wo Baugebiete erschlossen werden könnten. Da die Monsunzeit und ab August der Winter bevorstünden, werde eine verschärfte Lage befürchtet.