Royals

Eine Schwester für George

Partystimmung in London: Herzogin Kate bringt eine kleine Prinzessin zur Welt

Sieben Tage lang war die Herzogin von Cambridge, die populäre Catherine („Kate“) Middleton, bereits überfällig: dann passierte es, am Sonnabend. Um sechs Uhr morgens brachte Prinz William, Kates Ehemann, seine Frau am Steuer des Familienwagens zum St. Mary’s Krankenhaus in Londons Stadtteil Paddington. Und schon um 8.34 Uhr war alles überstanden. „Wir haben alle informiert, so schnell es irgendwie möglich war“, sagte ein Sprecher. Für George, ihren Erstgeborenen, hatte die Mutter 2013 zehneinhalb Stunden Wehen erdulden müssen. Die Geburt des Babys verbreitete der Kensingon Palace, die offizielle Residenz des Herzogspaares, um 11 Uhr über Twitter. Und kurz darauf ertönte auch im Camp der Königstreuen, die seit Tagen vor dem Krankenhaus warteten: „It’s a girl, it’s a girl, it’s a girl!”

Knapp zehn Stunden nach der Geburt zeigte die Familie sich vor der Tür des Lindo Wings des Krankenhauses. Ihr erstes Kind, der gut 21 Monate alte Prinz George, hatte zuvor sein Schwesterchen in der Klinik besucht und war bereits in die Wohnung der Eltern gebracht worden. Royal-Fans und Schaulustige bejubelten den Auftritt der Eltern und ihres zweiten Babys. Die glücklich lächelnde Kate hielt die Kleine, deren Name noch nicht bekannt ist, auf dem Arm. Nachdem sie sich noch einmal für einen Moment in die Klinik zurück gezogen hatten, fuhren sie nach Hause zum Kensington-Palast. William saß selbst am Steuer.

„Ein Mädchen!“ in der Tat. So lief das Lauffeuer der Freude am Sonnabend über alle sozialen Netze, Fernseh- und Radioanstalten. „Das Twitter-Baby“, so wurde es bald genannt. „It’s a girl“, rief auch die Laufschrift auf der Spitze des BT Tower im Herzen Londons in dunkelrosa Farbe. Zwei königliche Diener stellten die Geburtsanzeige auf einer ornamentalen Staffelei im Vorhof des Buckingham Palastes auf; die vier assistierenden Gynäkologen hatten das Dokument unterzeichnet. Auch die Royal Navy hatte sich einen besonderen Willkommensgruß einfallen lassen: Auf dem Vorderdeck der Fregatte „HMS Lancaster“ bildeten Matrosen in Gedanken an das im Juli 2013 geborene Brüderchen des Mädchens, Prinz George, ein Wort: „SISTER“.

Ein selbst ernannter „Stadtschreier“, ein Town Crier, stellte sich im Ornat des 18. Jahrhunderts auf die Stufen des Lindo Flügels des St. Mary’s Hospitals, entrollte ein Pergament und verlas: „Wir heißen in bescheidener Pflichtschuldigkeit das neue Baby der Königlichen Hoheiten, des Herzogs und der Herzogin von Cambridge, willkommen. Die Prinzessin steht an vierter Stelle der Thronfolge. Möge sie uns einst glücklich und glorreich regieren. God save the Queen.“

Wie die Mehrheit der Briten hatten sich auch die Eltern, William und Kate, ein Mädchen gewünscht, aber bewusst darauf verzichtet, das Geschlecht des Kindes im Voraus zu erfahren. Noch mehr erpicht auf eine weibliche Addition zu den männerschlagseitigen Windsors aber war der Großvater, Prinz Charles. Am Sonnabend ließ er mitteilen, er sei „hocherfreut“ über die Geburt seiner Enkelin. Anders als früher würde eine Prinzessin in der Thronfolge künftig nicht mehr übergangen durch einen nach ihr geborenen Bruder – sie behält ihren Platz in der Rangordnung. Die läuft jetzt über Charles, seinen Sohn William, dessen Sohn George direkt auf die Neugeborene zu.

Wenn alles gut geht, besteigt die kleine Prinzessin aber nie den Thron. Sie hat daher keine von Geburt an festgelegte Rolle. Das bedeutet Freiheit, macht aber die Suche nach einer Aufgabe notwendig. „Ersatz-Thronerbe zu sein ist nicht leicht”, sagt die Historikerin Kate Williams. Es fehle die Privatsphäre, jeder Schritt werde beobachtet, die Möglichkeiten seien beschränkt – und das alles ohne echte Aussicht auf den Thron. Wie Prinzessin Anne, die Schwester der Queen, wird sich später auch der Neuankömmling „Princess Royale“ nennen dürfen.

Ihr Gewicht wurde sofort bekannt gegeben: Sie kam mit acht englischen Pfund und drei Unzen zur Welt (also etwa 3710 Gramm). Was den Namen angeht, so stehen die Wetten auf Alice oder Charlotte, aber auch Elizabeth ist im Gespräch, der mittlere Name der Mutter und natürlich der der Monarchin, die im kommenden Jahr 90 wird und deren Name man in der Moderne nicht missen möchte.