Unterstützung

Katastrophentouristen und selbstlose Helfer in Nepal

Viele Ausländer blieben nach dem Erdbeben im Land, um die Bevölkerung zu unterstützen

Eine Woche nach dem Erdbeben in Nepal sind zahlreiche in den Bergen festsitzende Touristen ausgeflogen worden. Alle Ausländer, von denen der Aufenthaltsort durchgegeben wurde, seien gerettet worden, sagte ein Polizeisprecher am Sonnabend. Dem widersprach das französische Außenministerium. „Zahlreiche lokalisierte Franzosen stecken weiterhin in schlecht zugänglichen Dörfern und Weilern fest“, heißt es aus Paris. Dagegen bangen die Familien zweier verschollener Urlauberinnen aus Lehrte bei Hannover weiter um die beiden 20-Jährigen, die zu einer Wanderung ins Langtang-Tal wollten, das vom Erdbeben schwer getroffen ist.

Zehntausende Touristen flohen in der vergangenen Woche aus dem gebeutelten Himalajaland. Andere, wie einige Bergsteiger am Mount Everest, blieben mit ihren Vorräten in den Bergen, um nicht im Weg zu sein. Manche schlossen sich lokalen Gruppen an, etwa beim Verpacken von Lebensmitteln, Zelten und Medikamenten für Bergdörfer. Auch der Deutsche Martin Calineata war während des Bebens mit Mediziner-Freunden in Nepal unterwegs und blieb: „Für uns Ärzte ist das selbstverständlich, wir wollen und müssen helfen,“ erzählt der 27-Jährige. Die Deutschen schlossen sich der Organisation Karma Flights an, die eigentlich Tandem-Paragliding für den guten Zweck anbietet. Doch nach dem Erdbeben stellten sie ein Hilfsteam auf die Beine und schickten es Richtung Epizentrum.

In Saurpani im schwer getroffenen Distrikt Gorkha bauten sie ein großes Zelt auf, in dem sie medizinische Versorgung anboten und Kleidung sowie Nahrungsmittel verteilten. Mit im Karma-Flights-Lager ist auch der Deutsche Jordane Schönfelder. Seine Arbeitskraft wird in den Dörfern gebraucht, denn die meisten jungen Männer leben in den Städten oder schuften als Arbeitsmigranten auf der arabischen Halbinsel oder in Malaysia. „Wo Brücken eingestürzt waren, bin ich durch den Fluss gewatet und habe Seile gespannt“, erzählt der 25-Jährige. Stundenlang habe er Ausrüstung getragen, Essen in die abgelegensten Dörfer gebracht, koordiniert und übersetzt. „Aber wir hatten auch Freiwillige, die haben nur unsere Verpflegung weggegessen und nichts selbstständig gemacht“, ärgert sich Schönfelder. „Die hatten ihre Kameras dabei. Das sind Schaulustige.“ Auch Calineata berichtet von „Katastrophentouristen“, sowohl Nepalesen als auch Ausländern. „Außerdem gab es Hippies, die nur in unserem Camp herumsaßen und gekifft haben, während andere die Berge hochgerannt sind.“

Manche gäben fast ihr letztes Hemd, damit es zu den Bedürftigen gebracht werden könne. „Im Touristenort Pokhara stehen die Leute Schlange, um zu helfen“, sagt Schönfelder. Doch es gebe eben auch jene wie den jungen Österreicher, der zu ihnen ins Camp kam. „Er sagte uns, er habe eine medizinische Ausbildung – dabei hatte er nur einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. Er schoss Selfies von sich, nach dem Motto: Guckt mal, wie ich helfe.“