Justiz

Mary Jane Veloso wird verschont

Indonesien hat die Todesurteile gegen die Drogenschmuggler vollstreckt – bis auf eines

Die letzte Entscheidung, die den acht Männern und einer Frau am Ende ihres Lebens blieb: Sie sollten wählen, ob sie mit oder ohne Augenbinde sterben wollen. Alle, so heißt es, entschieden sich dafür, dem Tod „ins Auge zu blicken“. Es gab offenbar eine feste Reihenfolge, in der die wegen Drogenschmuggel Verurteilten auf der indonesischen Insel Nusa Kambangan durch einen Schuss ins Herz sterben sollten: Zuerst die Australier Myuran Sukumaran und Andrew Chan, dann die Philippinerin Mary Jane Veloso und schließlich sechs Männer aus Brasilien, Ghana, Nigeria und Indonesien.

Doch nur Minuten vor der Exekution wurde Mary Jane Veloso in ihre Zelle zurückgeführt. Ihre Verwandten erfuhren erst 90 Minuten später davon und dachten bei den Schüssen um 0.25 Uhr noch, Mary Jane sei tot. Die 30-Jährige war 2010 beim Schmuggel von 2,4 Kilogramm Heroin nach Indonesien gefasst worden. Den Ausschlag hatte offenbar gegeben, dass auf den Philippinen eine Frau zugab, Veloso als Kurier angeworben zu haben. Dieser Fall werde jetzt noch einmal neu aufgerollt.

Diplomatischer Eklat

In den Stunden nach den Schüssen bahnt sich für Indonesien eine diplomatische Katastrophe an. Noch in der Nacht hat Australiens Premier Tony Abbott angekündigt, den Botschafter aus Indonesien abzuziehen. Bis zuletzt hatten er und seine Außenministerin Julie Bishop versucht, den indonesischen Präsidenten Joko Widodo umzustimmen. Am Ende habe dieser sich jedoch entschuldigen lassen, er sei zu beschäftigt für ein Telefonat. Auch die brasilianische Präsidentin und der neuseeländische Staatschef wollen ihre Beziehungen zu Indonesien überdenken.

Australische Zeitungen druckten am Morgen den indonesischen Präsidenten mit blutverschmierten Händen auf Titelseiten. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon wies darauf hin, dass die Todesstrafe für Drogenschmuggel unangemessen sei. Daraufhin ließ der indonesische Justizminister Yasona Laoly verlauten: „Wir bauen auf unser eigenes Rechtssystem.“ Wie wackelig diese Behauptung ist, wurde schon vor drei Tagen deutlich, als der Franzose Serge Atlaoui noch einmal von der Todesliste gestrichen wurde. Frankreichs Präsident François Hollande hatte zuvor mit „schweren Konsequenzen der Beziehungen zu Europa“ gedroht.