Unglück

Germanwings-Absturz: Anwälte prüfen Klage in den USA

Nach der Trauerfeier für die 150 Germanwings-Toten tritt die Aufarbeitung der Katastrophe mit der Diskussion über Schadensersatz für die Hinterbliebenen in eine neue Phase.

Der Rechtsanwalt Elmar Giemulla, der nach eigenen Angaben die Familien von mehr als 20 Absturzopfern vertritt, sagte am Sonntag, er plane den Gang vor ein US-Gericht, falls die Lufthansa den Angehörigen bei den demnächst beginnenden Gesprächen über einen Schadenersatz nicht genug entgegenkomme. Zuvor hatte die „Bild am Sonntag“ über die Pläne berichtet.

Giemulla sagte, sein Ziel sei es, für die Hinterbliebenen auch einen „emotionalen Schadenersatz“ zu erstreiten. Die Höhe des Zahlungen könne deshalb am Ende durchaus bei ein bis eineinhalb Millionen Euro pro Passagier liegen. Die Schuldfrage ist nach seiner Ansicht ohnehin „eindeutig geklärt“. Bei einem vorsätzlichen Absturz, herbeigeführt durch den Copiloten, sei die Sachlage klar.

„Lufthansa ist für von ihr eingesetztes Personal in voller Weise verantwortlich“, sagte auch Opferanwalt Christof Wellens, der nach eigenen Angaben 15 Opfer-Familien mit über 60 Angehörigen zivilrechtlich vertritt. Er habe bislang kein Wort vernommen, dass man dies aufseiten von Lufthansa anders sehe. Im Gegenteil: Die Airline habe sich zu ihrer Verantwortung bekannt. Man werde nun sehen müssen, ob sie Wort halte. Etwaige Versäumnisse, etwa beim Umgang mit der Erkrankung des Copiloten, spielten allenfalls noch am Rande eine Rolle, so Wellens.

Zu einer möglichen Klage vor US-Gerichten sagte Giemulla, das deutsche Recht sehe einen „emotionalen Schadenersatz“ eigentlich nicht vor. Doch die US-Justiz werde sich ohnehin mit dem Absturz befassen, da es auch US-amerikanische Opfer gebe, sagte Giemulla. Nach der amerikanischen Rechtstradition sei es möglich, auch die Fälle von Bürgern anderer Nationalitäten zu verhandeln – besonders dann, wenn die Abweichungen in der Rechtsordnung groß seien.