Ermittlungen

Tödliche Attacke an Hamburger Schule

17-Jähriger ersticht einen gleichaltrigen Mitschüler im Klassenraum

Drei Jungen drängen sich an der Polizeiabsperrung. Am Zaun beobachten fassungslose Nachbarn, wie Beamte das Schulgelände am Dienstagvormittag abriegeln. Es sind nur wenige Meter vom Parkplatz der Schule im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg bis zu den provisorischen Klassenräumen, die in gestapelten Containern untergebracht sind.

Das Tatmotiv ist noch unklar

Wenige Stunden zuvor: Nach allem, was die Polizei bisher weiß, sprach ein 17-Jähriger während einer Pause in einem Klassenraum mit dem gleichaltrigen Mitschüler und sticht dann unvermittelt mehrmals mit einem Küchenmesser auf ihn ein. In Panik rennen die rund 15 Klassenkameraden aus dem Raum, der Angreifer bleibt mit dem sterbenden Schüler in der Klasse.

Was den Jugendlichen zu der Tat trieb, ist zunächst unklar. Nur wenige Details sind bekannt: Der Verdächtige ist ebenfalls Schüler und absolviert in einer Parallelklasse einen zweijährigen Deutschkurs, der auf den Unterricht in der Nelson-Mandela-Stadtteilschule vorbereiten soll. Er kennt sein Opfer, beide waren Flüchtlinge.

Um kurz nach 11 Uhr gehen mehrere Notrufe von Schülern und Lehrern ein. Der mutmaßliche Täter ist da noch mit dem schwer verletzten Schüler im Klassenzimmer. Eine Lehrkraft bleibt bei ihm, bis der Notarzt kommt. Als die Polizei eintrifft, leistet der Verdächtige keinen Widerstand. Als die Beamten ihn in Handschellen abführen, soll er kein Wort gesprochen haben. Wenige Minuten später sperren rund 20 Polizeiwagen die gesamte Straße ab, zahlreiche Kamerateams blockieren den Fußweg. Schüler aus der benachbarten Grundschule drängen sich an der Absperrung. Der Unterricht in den anderen Klassen wird abgebrochen, weinend sammeln sich Schüler auf dem provisorischen Schulhof der Containeranlage. „Einfach fassungslos und heftig, dass so was mitten am Vormittag passiert“, sagt ein Vater mit versteinerter Miene. Er will seinen Sohn abholen, nachdem Gerüchte über einen Amoklauf aufkamen. Ein paar Meter entfernt umarmt eine Lehrerin minutenlang einen trauernden Kollegen.

Wenige Stunden nach der Tat kommen Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, Innensenator Michael Neumann und Schulsenator Ties Rabe (alle SPD) auf das Schulgelände. „Ein Schatten ist auf unsere Stadt gefallen“, sagt Scholz. Der Bürgermeister wechselt mit den Schülern noch ein paar Worte. Den Blick gesenkt, schleichen nach mehreren Stunden Polizeibefragung einige Schüler vom Gelände. „Einfach krass“, flüstert einer von ihnen.