Videobeweis

Tödliche Polizeischüsse in den USA

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Der zunächst anonyme Zeuge und Videofilmer spricht zum ersten Mal

„Dieses Video ist das Schrecklichste, was ich in meinem Leben jemals gesehen habe. Ich konnte es mir kaum ansehen. Meinen Sohn rennen und fallen zu sehen – das bricht mir das Herz.“ Judy Scott kann in ihrem Schmerz um den verlorenen Sohn kaum sprechen, als sie in der Fernsendung „Good Morning America“ über die Filmaufnahmen spricht, die Amerika entsetzt und wütend machen. Sie zeigen, wie der weiße Streifenpolizist Michael Slager am vergangenen Sonnabend in North Charleston, South Carolina, den unbewaffneten Walter Scott erschießt. Der drei Minuten lange Film ist das wichtigste Beweismittel in einem erneuten Fall von möglicherweise rassistisch motivierter Staatsgewalt. Slager ist wegen Mordes angeklagt worden. Ihm droht im schlimmsten Fall die Todesstrafe. Dabei stützt sich die Staatsanwaltschaft ganz auf das Video und den Zeugen, der es gemacht hat. Denn ohne diese knapp 180 Sekunden, so scheint mittlerweile festzustehen, wäre es zu der Anklage wohl kaum gekommen.

Inzwischen wurde jedoch auch bekannt, dass sich Michael Slager bereits früher wegen übermäßiger Gewalt gegen einen Schwarzen verantworten musste. Das geht aus einer Beschwerde in der Personalakte des Polizisten hervor.

Einen Tag nach der Veröffentlichung des Films hat sich der zunächst anonyme Videomacher in einem Interview mit dem Fernsehsender NBC geäußert. „Ich war auf dem Weg zur Arbeit, als ich die beiden auf einmal gesehen habe“, sagt Feidin Santana, ein Einwanderer aus der Dominikanischen Republik. Sie hätten miteinander gerangelt. Dann erst habe er zu filmen begonnen. Als sich das spätere Opfer befreit und davonläuft, zieht Slager offenbar ohne Warnung seine Dienstwaffe und schießt. Er selbst, so berichtet der Zeuge, habe „sich in Lebensgefahr gefühlt“. „Ich habe daran gedacht, den Film zu löschen.“ Doch am Ende entschied er sich, den einzigen Beweis, den es von dem mutmaßlichen Mord gab, der Familie zu geben. Der Anwalt der Familie Scott bezeichnete Santana als „einen Helden“. Der Bürgermeister von North Charleston, Keith Summey, soll zu den bereits 101 Kameras 150 weitere angefordert haben, die künftig jeder Polizist der Stadt tragen muss.