Klima

Kalifornien dreht den Wasserhahn zu

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Wolfgang W. Merkel und Barbara Munker

Anhaltende Dürre zwingt zum Sparen. Gouverneur reglementiert Duschen und Rasensprengen

Seit vier Jahren leidet Kalifornien unter einer großen Dürre, jetzt wird das Wassersparen erstmals Pflicht. Der Gouverneur des US-Westküstenstaates, Jerry Brown, gab Auflagen bekannt. Demnach müssen Städte und Gemeinden ihren Wasserverbrauch um 25 Prozent reduzieren. Seit dem vergangenen Jahr waren Einsparungen lediglich eine Empfehlung. So sollten seither die Einwohner nicht mehr ihre Bürgersteige und Einfahrten mit dem Gartenschlauch abspritzen, Springbrunnen mit Trinkwasser füllen oder Grünflächen so stark bewässern, dass überschüssiges Wasser ablaufen kann. Die erhofften Einsparungen betrugen aber nicht 20, sondern lediglich neun Prozent, sagte Brown. „Das ist nicht genug.“

Konkrete Vorschriften, wie der Konsum zu drosseln sei, werden vom Wasserausschuss im Mai erwartet. Klar ist schon: Privatleute, die gegen die Regeln verstoßen, sollen bis zu 500 Dollar Strafe pro Tag bezahlen. „Wir müssen unser Verhalten grundlegend verändern“, sagte Brown dem Fernsehsender abc. „Das betrifft Gärten, das betrifft, wie lange Menschen duschen oder wie Geschäfte Wasser nutzen.“ Mit Blick auf die Rekordtiefstände bei Seen, Reservoiren und Flüssen sagt Brown: „Der Klimawandel ist hier in Kalifornien kein Scherz. Die Lage ist verdammt ernst.“

Öffentliche Parkanlagen werden nun mit anspruchsloseren Pflanzen begrünt – mit Wüstengewächsen –, oder es wird gleich Kunstrasen ausgelegt. Auch Friedhöfe sollen Wasser sparen. Betreiber von großen Grünflächen, wie etwa Golfplätzen, sollen die Bewässerung durch neue Techniken effizienter machen. Wer durch die östlichen, trockenen Regionen Kaliforniens fährt und unvermittelt auf saftig grüne Golfplätze blickt, wundert sich ohnehin, wie das in einer Wüste möglich sein kann. Es geht aber nicht nur um die schöne Optik und den Sport: Kalifornien ist der Obst- und Gemüsegarten der USA. Die Bauern bekommen zunehmend Probleme, manche kämpfen bereits mit ihrer Existenz oder geben die Landwirtschaft ganz auf und verkaufen lieber ihre Wasserrechte an die Städte und Dörfer. Möglicherweise wird das ganze Land unter der Dürre leiden, weil die Verbraucherpreise durch eine Lebensmittelverknappung steigen.

Noch sind die Bauern von den staatlich verordneten Wassersparmaßnahmen verschont. Vielleicht ist das aber der falsche Weg, denn die Landwirte (und mittelbar die Konsumenten im Land) sind Teil des Problems, weil sie für 80 Prozent der Wasserentnahme verantwortlich sind. Ohne eine effizientere agrarische Wassernutzung wird Kalifornien Dürre und Klimawandel auf Dauer wohl kaum bewältigen können. Immerhin sollen die Farmer zukünftig genaue Angaben über ihren Wasserverbrauch machen. Möglicherweise wollen die Behörden zur Vorbereitung weiterer Maßnahmen die stärksten Wassernutzer identifizieren.

Kaum Schnee in den Bergen

Brown verkündete die Auflagen für den Staat bei einem Besuch in den Bergen der Sierra Nevada. Die um diese Jahreszeit gewöhnlich verschneiten kalifornischen Berge sind nach Ausbleiben der Winterniederschläge diesmal ohne Schnee. Seit Beginn der Schneemessungen in den 50er-Jahren bedeutet dieser Winter einen Trockenheitsrekord. „Heute stehen wir auf trockenem Gras, wo eigentlich 150 Zentimeter Schnee liegen sollten“, sagte Brown.

Die immer längeren und häufigeren Trockenperioden sind indes ein Problem im ganzen Mittleren Westen und im Süden der USA. Es verrinnt kostbare Zeit und es droht eine wirtschaftliche Katastrophe. Denn das größte Grundwasserreservoir der USA, des Ogallala-Aquifers von Nebraska bis Texas, versorgt einen großen Teil der US-Agrarindustrie mit Wasser – schrumpft aber dramatisch. Die Brunnen für die Getreide- und Sojaproduktion müssen immer tiefer sein. Für Kalifornien habe eine „neue Ära“ begonnen, sagt Gouverneur Brown. Vielleicht nicht nur für Kalifornien, sondern bald schon für das halbe Land.

( mit dpa und AP )