Kriminalität

Betäubt und missbraucht

Prozessauftakt in Bamberg. Chefarzt soll sich an zwölf Frauen vergangen haben

Es ist ein tiefer Fall: Heinz W. war Chefarzt einer Klinik in Bamberg, galt als empathisch und engagiert und war eine Koryphäe als Gefäßspezialist. Doch offenbar gibt es eine dunkle Seite im Leben des Mediziners. Ab diesem Dienstag steht der 49-Jährige als Angeklagter vor dem Bamberger Landgericht. Ihm wird Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen und sexuelle Nötigung vorgeworfen.

Unter anderem geht es um den Fall einer 26-jährigen Medizinstudentin. Am 28. Juli 2014 soll W. der Frau gesagt haben, er spritze ihr Kontrastmittel, um eine simple Untersuchung der Beckenvenen durchzuführen. Stattdessen, davon sind die Ermittler überzeugt, injizierte W. ein starkes Schlafmittel, das die Studentin willenlos machte. Dann, so der Vorwurf, soll er die Frau missbraucht und dabei Film- und Fotoaufnahmen angefertigt haben. Ermittler fanden die Aufnahmen in dem Büro und der Privatwohnung des Mannes.

Starkes Schlafmittel injiziert

Weil sich die junge Frau, die in seiner Abteilung ein Praktikum machte, nicht an die Untersuchung erinnern konnte, wurde sie misstrauisch. Als W. ihren Nachfragen auswich, ließ sie sich von ihrem Vater, ebenfalls ein Arzt, Blut abnehmen. Die Laborbefunde zeigten im Blut der jungen Frau Rückstände des Betäubungsmittels. Sie schlug Alarm und stellte Strafanzeige. Was es für die Ermittler schwierig machte: Bei den Opfern ist die Erinnerung an den Missbrauch ausgelöscht.

Der Angeklagte, der von der Klinik suspendiert wurde und seit August in Untersuchungshaft sitzt, bestreitet einen sexuellen Hintergrund seiner Taten. Ausschließlich medizinisch notwendige Untersuchungen habe er vorgenommen, die er für eine medizinische Studie nutzen wollte, sagt sein Verteidiger. Er habe eine neue Behandlungsmethode entwickelt und dafür ein Kontrastmittel verwendet, das er sich selbst besorgt habe. Verwunderlich nur, dass er jene Behandlungen nie seinem Arbeitgeber gemeldet hat und auch keinerlei Dokumentation vorweisen kann.

Der Fall der Medizinstudentin war offenbar nicht der einzige. Insgesamt sollen es zwölf Frauen sein, die er betäubt und missbraucht hat. Zudem soll er die 18 Jahre alte Patentochter seiner Frau in einem Hotelzimmer mit Alkohol gefügig gemacht und heimlich gefilmt haben. Dem Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft und ein lebenslanges Berufsverbot. 50 Zeugen sind geladen, dazu sechs Sachverständige, Ende Mai soll das Urteil fallen.