Auftrag

Geisterjagd mit Feng Shui

Im bayerischen Friedberg will der Bürgermeister ein altes Schloss vor dem Umbau von negativen Schwingungen befreien lassen

Eigentlich steht Feng Shui für Harmonie und positive Ausstrahlung. Doch im bayerischen Friedberg nahe Augsburg hängt wegen der asiatischen Lehre der Haussegen schief. Friedbergs Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) hat für 5000 Euro ein Feng-Shui-Gutachten in Auftrag gegeben. Das der Kommune gehörende Wittelsbacher Schloss soll auf negative Schwingungen hin untersucht werden. Das Gemäuer aus dem 13. Jahrhundert soll demnächst zu einem Kulturzentrum umgebaut werden. Dafür gibt es im Stadtrat einen eigenen Schlossausschuss. Der fühlt sich jetzt übergangen. Claudia Eser-Schubert, Fraktionsvorsitzende der Grünen, spricht schlicht von „Humbug“.

Sagenumwobenes Schloss

Um das Schloss ranken sich Sagen: In den Mauern des Turms soll ein Mönch lebendig eingemauert worden sein, der nachts mit fahler Fratze herumgeistere. Die Kellertreppe führe in Vollmondnächten zu sagenhaften Schätzen, nur überlebt habe den Aufstieg noch niemand. Dann ist da noch die kriegerische Vergangenheit, als die Burg eine Grenzbefestigung der Wittelsbacher gegen die Freie Reichsstadt Augsburg war. Gehen von diesen Ereignissen schlechte Schwingungen aus?

Vor acht Jahren hatte die 29.000-Einwohner-Stadt das Schloss dem Freistaat für rund 100.000 Euro abgekauft, man wollte ein attraktives Bürger- und Kulturzentrum errichten. Doch das 20-Millionen-Projekt sorgte bald für Zwist bei den Friedbergern. Es gab sogar einen Bürgerentscheid, der den Ausbau verhindern sollte, doch das erforderliche Quorum wurde verfehlt. So kam es diesen März zum Baubeginn.

Dabei überlegte Bürgermeister Eichmann laut, ob die kriegerische Vergangenheit des Gebäudes nicht auch den aktuellen Streit um die künftige Nutzung geprägt haben könne. Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu, auch sein Hund werde dort immer sehr unruhig. Das nahm die Lokalpresse zum Anlass, eine geplante Feng Shui-Beratung in Zusammenhang mit der Unruhe des Haustieres zu stellen. Damit aber erfuhren die Stadträte erstmals von dem 5000-Euro-Harmonietest, und der Streit begann. „Man hätte es uns sagen können, nachdem man gewusst hat, dass dies einiges an Aufsehen erregen wird“, meinte etwa SPD-Stadtrat Roland Fuchs – sah aber auch das Positive: „Wenn der Hund hernach ruhiger wird …“ Landesweiter Spott ließ nicht lange auf sich warten.

Bürgermeister Eichmann hat mittlerweile jeden Zusammenhang zwischen Hund und Feng Shui zurückgewiesen. Die Beraterin sei von sich aus auf die Stadt zugekommen und habe Empfehlungen professioneller Immobilienunternehmen vorgelegt. Es sei ihr dank Feng Shui gelungen, auch schwierige Objekte zu vermarkten. Deshalb habe er den Vertrag unterschrieben.

Auf der Website der Beraterin ist zu lesen: „Die energetische Ursachenanalyse hilft Ihnen dabei, frühzeitig positive wie auch negative Schwingungen von Bauplatz, Neubau oder Altbau zu erkennen, die anhaftende Geschichte zu lesen und bestehende Kräfte zu nutzen beziehungsweise in Harmonie zu wandeln.“ Der Bürgermeister, der persönlich wenig mit Feng Shui am Hut hat, verweist auf das Kreiskrankenhaus Aichach-Friedberg, das vor ein paar Jahren ebenfalls eine Feng Shui-Beraterin engagiert hatte. Die legte damals ein anscheinend so überzeugendes Konzept vor, dass der Landkreis den Auftrag auf die Gestaltung der Wöchnerinnenzimmer, der Notaufnahme und der Außenanlagen ausdehnte.

Denkmalgeschütztes Gebäude

Für Grünen-Stadträtin Claudia Eser-Schubert sind das alles keine Argumente. „Das ist ein denkmalgeschütztes Gebäude“, gibt sie zu bedenken, von der Behörde sei alles vorgegeben, bis hin zur Farbe. Die Auflagen seien sehr streng. Feng Shui hin oder her, wenn man nichts verändern könne, mache das alles keinen Sinn. Sie hat jetzt beantragt, dass der Bürgermeister Auskunft über die genauen Hintergründe des Auftrags geben soll.

Die von der Stadt engagierte Feng Shui-Beraterin wird im Laufe des Jahres ihren Bericht abgeben. Bürgermeister Eichmann hat sich mittlerweile auch gegen den Vorwurf zur Wehr gesetzt, er hätte den Schlossausschuss übergangen: „Wir haben auch nicht über die Umsiedlung der Fledermäuse informiert, obwohl das mehr kostet.“