Sturmtief

„Niklas“ wirbelt durchs Land

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Der stärkste Orkan seit Jahren tobt über Deutschland. Er legt Bahnhöfe still und entwurzelt Bäume

Orkan „Niklas“ hat sich zu einem der stärksten Stürme der vergangenen Jahre entwickelt und den Verkehr in weiten Teilen Deutschlands lahmgelegt. Insgesamt waren Zehntausende Reisende und Pendler betroffen. Der Deutsche Wetterdienst hatte Unwetterwarnungen für große Teile Deutschlands herausgegeben – die Meteorologen warnten vor entwurzelten Bäumen, herumwirbelnden Gegenständen und schweren Schäden an Gebäuden. Besonders betroffen waren zunächst Teile von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, später auch Brandenburg und Berlin. Am heftigsten tobte „Niklas“ auf Deutschlands höchstem Berg, der für die Öffentlichkeit gesperrten Zugspitze (2962 Meter) in den Alpen, mit Böen von 192 Stundenkilometern. Das Tief zog von Westen her über das Land.

Bahn In Nordrhein-Westfalen stoppte die Bahn wegen zahlreicher Schäden nach dem Orkan „Niklas“ gegen 11 Uhr ihren kompletten Nahverkehr. Regionalzüge und S-Bahnen fuhren die nächsten Bahnhöfe an und blieben dort stehen. Privatbahnen in dem Bundesland fuhren dagegen nach eigenen Angaben auf einzelnen Strecken weiter. Am Dienstagabend teilte die Bahn mit, dass auch in der Region in und um Berlin der Zugverkehr nahezu lahmgelegt sei. Auch in Bayern und am Abend auch in Mecklenburg-Vorpommern stellte die Bahn den Fernverkehr wegen des Sturmtiefs komplett ein. Zudem komme es im Regionalverkehr zu starken Einschränkungen, teilte die Bahn mit. In den Bahnhöfen Hannover, Bremen und Berlin wurden Züge für gestrandete Fahrgäste bereit gestellt, in denen sie die Nacht verbringen konnten. Die unfreiwilligen Übernachtungsgäste sollten von Bahn-Angestellten betreut werden. Wegen Orkanschäden wurde die Haupthalle des Münchner Hauptbahnhofs am Nachmittag geräumt. In der Nähe von Osnabrück stürzten am Dienstag mehrere Bäume auf einen Zug und stoppten den Intercity. Der Zug war mit etwa 350 Menschen besetzt. Verletzt wurde nach Angaben der Bundespolizei niemand. Auch in anderen Bundesländern gab es Behinderungen im Bahnverkehr.

StraßenPolizei und Feuerwehr waren im Dauereinsatz, um umgestürzte Bäume von Autobahnen und Bundesstraßen zu räumen. Umgekippte Lastwagen und Anhänger blockierten die Fahrbahnen. Auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland knickte „Niklas“ Bäume und Strommasten um. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd sagte: „Kaum ist der eine Baum aufgeräumt, stürzt der nächste um.“ Dramatisch sah es zeitweise auf der Autobahnbrücke der A29 bei Oldenburg in Niedersachsen aus. Es bestand die Gefahr, dass ein umgewehter Anhänger von einer 26 Meter hohen Brücke in die Hunte stürzt. Helfer konnten das Gespann rechtzeitig bergen.

Flüge Probleme meldete Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt. Bereits seit dem Morgen kam es zu Verspätungen, am Abend sprach der Betreiber Fraport von 180 ausgefallenen Starts und Landungen. Am Flughafen Düsseldorf entschlossen sich einige Piloten angesichts der Windböen, durchzustarten und für die Landung neu anzufliegen. Dies und das Umfliegen von Schlechtwetterzonen führte zu einigen Verspätungen, aber Flugausfälle habe es nicht gegeben, sagte ein Sprecher. Am Hamburger Flughafen wurden mehrere Starts und Landungen gestrichen. Die S-Bahn-Linie zum Airport in München wurde eingestellt, am Flughafen gab es Verspätungen. Der Amsterdamer Flughafen Schiphol annullierte am Dienstag Dutzende Flüge, Passagiere mussten sich auf lange Wartezeiten einstellen.