Urteil

Sincerely yours, Prince Charles

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Thomas Kielinger

Gerichtsurteil macht vertrauliche Briefe des Thronerben öffentlich

Eine bahnbrechende Entscheidung: Das Oberste Gericht Großbritanniens hat am Freitag entschieden, dass handschriftliche Mitteilungen von Prinz Charles veröffentlicht werden dürfen. Es handelt sich dabei um 27 Mitteilungen, die der Thronerbe an Regierungsstellen gerichtet hat. Es ist ein Schlag gegen den Prinzen, der enttäuscht ist, „dass das Prinzip der Vertraulichkeit nicht gewahrt worden ist“.

Feiern darf dagegen die Tageszeitung „The Guardian“, die dafür gekämpft hatte, weil die Öffentlichkeit ein Recht darauf habe, den Inhalt dieser Eingaben zu erfahren. Das antiroyalistische Blatt berief sich in seinem Kampf auf den „Freedom of Information Act“, ein Gesetz, das Antragstellern gestattet, in bestimmten Fällen die 30-Jahre-Regel der Geheimhaltung amtlicher Dokumente zu durchbrechen.

Charles ist bekannt für seine temperamentvollen Äußerungen, die er unbeschadet seiner Pflicht zur Zurückhaltung des Hofes vorträgt. Während der fraglichen Zeit intervenierte er zumeist bei Ministerien, um seine Meinung vorzutragen. Geschrieben waren die Kommunikationen in der berühmten deutlichen Handschrift des Prinzen, stets mit einem schwarzen Filzstift, weshalb man das Briefkonvolut auch die „Black Spider Memos“ nennt, die „Memos der schwarzen Spinne“.

Das Gericht entschied nun, es bestehe ein öffentliches Interesse daran, „dass Transparenz darüber herrscht, wie und wann Prinz Charles versucht, die Regierung zu beeinflussen“. Damit steht der Briefveröffentlichung nichts mehr im Wege. Die Regierung hat jedoch 30 Tage Zeit, die Dokumente zu sichten und in Konsultation mit der Residenz des Thronerben ihre Freigabe vorzubereiten – in redigierter Form, also nach der Schwärzung besonders sensibler Passagen. Doch ist klar, dass das Urteil dem künftigen König Fesseln anlegt. Es zwingt ihn, seine Neutralität im öffentlichen Meinungsstreit gewissenhafter einzuhalten, als er es bisher tut.

Großen Spaß haben bereits die Satiriker, die sich virtuelle Empfänger ausdenken, etwa Charles’ Enkel Prinz George oder Wladimir Putin. Hinter gewichtigen Fragen lauert auf der Insel oft der shakespearesche Hofnarr, der den Ernst des Themas gerne ins Komische zieht. In diesem Falle spielt Prinz Charles unfreiwillig den Hofnarren.