Nachruf

Abschied von „Mr. Musikantenstadl“

Der österreichische Entertainer Karl Moik ist am Donnerstag in einer Salzburger Klinik gestorben. Er wurde 76 Jahre alt

Nur der Entdecker des Ecstasy, Alexander Shulgin, hat vermutlich weltweit mehr Menschen glücklich gemacht als der Erfinder vom „Musikantenstadl“, Karl Moik. Glück zu destillieren, in Tropfen, Pillen oder Fernsehsendungen zu gießen, ist eine der edelsten Charaktereigenschaften überhaupt. Dieses glucksende Kinderglück, das eigentlich nur spürbar ist, wenn man noch nie Verantwortung hatte. Und genau dieses Gefühl gab Karl Moik den deutschen Rentnern und allen anderen, die keinen Bock auf Pop hatten. Karl Moik gab denen musikalische Zauberpillen, die zum Frühstück 30 Tabletten schlucken mussten. Er gab denen für drei Stunden am Abend ein Leben, die ihr Leben schon der Gesellschaft gegeben hatten. Karl Moik starb am 26. März 2015 in Salzburg.

24 Jahre (von 1981 bis 2005) lang moderierte der in Linz geborene Werkzeugmacher seine Sendung. Er war länger im Amt als Helmut Kohl (16 Jahre) oder Thomas Gottschalk (22 Jahre). Karl Moik schaffte es, als Österreicher Teil der deutschen DNA zu werden. Moiks Stadl, inzwischen wird es von Andy Borg moderiert, ist bis heute eine Institution, auf die wir uns verlassen können. Oder konnten. Das Stadl wird modernisiert, verkündeten ARD, ORF und SRF kürzlich. Andy Borg muss gehen. Alles neu. Ein junges Gesicht soll bald moderieren, ein jüngeres Publikum vor die Fernseher bringen. Zu Lebzeiten äußerte sich Moik gegenüber der „Bild am Sonntag“ noch skeptisch diesen Plänen gegenüber. „Man will überall verjüngen, überall irgendwas anderes machen. Aber es wird nicht daran gedacht, dass es ältere Zuschauer gibt.“

Bierbänke in der Scheune

Und diese Zuschauer wollten nun mal ihren Andy, ihren Karl. Und ihr Stadl. Sie wollten die Bierbänke im Scheunenumfeld. Sie wollen eine heile Welt zwischen Heu und Stroh, die das umgeschüttete Bier aufsaugt und Basis für ein buntes Treiben ist. Mit Karl Moik stirbt ein großer Teil des öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehens.

Dabei hat er ganz klein angefangen. Er verkaufte Kopiergeräte und Fernsehantennen. Als Handlungsreisender getrieben von einer Firma, konnte Moik nicht glücklich werden. Moik musste selber die Geschäfte leiten. Er versuchte sich in einer Jazz-Band. Und später kam er auf die Idee, Volksmusik zu machen. 1973 moderierte Moik zum ersten mal in Österreich die „Volkstümliche Hitparade“. Moik verstand, was die Leute sehen wollten, und lieferte: volkstümlich, nicht von oben herab, sondern aus der Mitte der Fans. Sein Verdienste um die Volksmusik sind so groß, dass das Land Österreich ihm 2004 einen Professorentitel verlieh.

Stefan Raab hat einmal über ihn gesagt: „Für Amerika ist New York der Big Apple. Und für den Stadl ist der Karl der Big Seppl.“ Es war eine große, ehrliche Verneigung vor einem der meistgesehenen Unterhalter Deutschlands. In derselben Sendung sang Raab auch sein berühmtes Lied „Der Karl, der Karl, der Moik, Moik, Moik, der kifft das stärkste Zeug, Zeug, Zeug.“ Sicher, man kann sich lustig machen. Über die aufgesetzte Freude und die Bierseligkeit. Aber Karl Moik liebte sein Leben im Stadl. Und wenn die Antonia aus Tirol bei ihm sang „Meine Super-Pampelmusen/ sind der Gipfel in der Blusen“, dann war die Sache für Moik klar. Er war ein engagierter und zupackender Moderator. Antonia hingegen zeigte sich verwundert, vom Moderator die Bluse hinuntergezogen zu bekommen.

Für seine Sendung ging Karl Moik bis an die Grenzen. Als er 2005 durch das „Silvesterstadl“ in Kärnten führte, erlitt er einen Schlaganfall. Er moderierte noch zu Ende, eher er ins Krankenhaus kam. Seitdem sah man Moiks leuchtende Apfelbäckchen seltener. Mit seiner Frau Edith (seit 1964 verheiratet, Goldhochzeit!) verlebte er seine Zeit im Ruhestand in der Nähe von Salzburg. Ein entspannter Lebensabend war ihm nicht vergönnt. Nierenprobleme soll er gehabt haben. Eine Boulevardzeitung schreibt von Wasser in der Lunge. Ausgerechnet einer, der die Kehlen der Republik immer feucht gehalten hat. Das Schicksal versucht so häufig, ein Witzbold zu sein. Aber lachen kann keiner darüber. Mit 76 Jahren abzutreten, ist keine Schande, aber es ist eine Schande, dass Moik nicht mehr vergönnt war.