Naturkatastrophe

Horrornacht im Südseeparadies

Der Wirbelsturm „Pam“ verwüstet den Pazifikstaat Vanuatu. Genaue Zahl derToten noch unbekannt

Übrig sind verbeulte Wellblechhüttenwände, um die tosendes Wasser spült. Menschen waten mit ihrem letzten Hab und Gut in einer Plastiktüte durch knietiefes Wasser. Zeltunterkünfte stehen inmitten von Schutt und Dreck. Der starke Tropensturm „Pam“ hat auf der pazifischen Inselgruppe Vanuatu eine Schneise der Verwüstung geschlagen und mindestens acht Menschen das Leben gekostet. Die Behörden hielten jedoch deutlich höhere Opferzahlen für möglich, weil die Kommunikationssysteme auf vielen der kleinen Inseln des Archipels zusammenbrachen.

„Pam“ hatte mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 270 Stundenkilometern gewütet. Vanuatu befindet sich im Südpazifik östlich von Australien und besteht aus mehr als 65 Inseln. Insgesamt leben dort rund 267.000 Menschen, 47.000 davon in der Hauptstadt Port Vila.

Laut dem UN-Büro für die Koordination von Hilfseinsätzen gab es unbestätigte Berichte über mindestens 44 Tote im Nordosten der Inselgruppe. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte dennoch: „Wir hoffen, dass der Verlust an Menschenleben minimal sein wird.“ Die Vereinten Nationen bereiteten einen Noteinsatz vor. Nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef waren 54.000 Kinder unter den Betroffenen des Zyklons.

Komplett zerstörte Dörfer

Chloe Morrison, Sprecherin der Hilfsorganisation World Vision, berichtete aus Port Vila, die Behörden hätten vorab am Freitag Tausende Menschen in 23 Notunterkünfte gebracht. Die Situation außerhalb gesicherter Gebäude sei aber wohl sehr schwierig gewesen. Den Höhepunkt habe der Sturm in der Nacht zum Sonnabend kurz nach Mitternacht erreicht.

Auf den Straßen von Port Vila lagen nach ihren Worten am Sonnabend von Häusern weggewehte Dächer und entwurzelte Bäume. Es gebe in der Hauptstadt keinen Strom und kein fließendes Wasser. Aus entlegeneren Regionen gebe es Berichte über komplett zerstörte Dörfer. „Die Schäden sind ganz erheblich in Port Vila, aber es gibt so viele weitere gefährdete Inseln. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es in diesen verletzlichen Gemeinden ist“, sagte Chloe Morrison. Der Zyklon hatte bereits Schäden auf anderen Pazifikinseln angerichtet, darunter Kiribati und die Salomonen. Nun macht sich Neuseeland für den Sturm bereit, der das Land am Sonntag und Montag zunächst auf der Nordinsel treffen soll.

Vanuatus Präsident Baldwin Lonsdale war zum Zeitpunkt der Verwüstung durch den Zyklon auf der Weltkonferenz zur Katastrophenvorsorge in Japan. Er sagte am Sonnabend, er wisse nicht im Detail, wie groß die Auswirkungen des Tropensturms seien. „Ich spreche heute zu Ihnen mit einem Herzen, dass so schwer ist“, so Lonsdale. Er bat um Hilfe für sein Land.

Zyklon zieht nach Neuseeland

Neuseeland sagte am Sonnabend umgerechnet rund 696.000 Euro zur Unterstützung der Hilfsmaßnahmen zu. Die australische Außenministerin Julie Bishop sagte, ein Krisenteam könne nach Vanuatu entsendet werden, wenn es benötigt werde,

World-Vision-Sprecherin Morrison sagte weiter, dass das Wichtigste nun die Versorgung mit Essen, Trinkwasser und Notunterkünften sei. Auf lange Sicht sei dann eine gemeinsame Anstrengung zum Wiederaufbau nötig. Vanuatu hat wiederholt Auswirkungen des Klimawandels beklagt. Küstengebiete wurden demnach vom Ozean weggespült, und Einwohner mussten in höher gelegene Gebiete umgesiedelt werden.