Partnerschaft

Die Senatorin und der Stripper

55-jährige Frau mit jungem Geliebten: In Italien verteidigt eine Politikerin ihre Liebe

Sie rollt das R mit Hingabe, wenn sie von Amore spricht. Stefania Pezzopane, 55, Senatorin der italienischen Sozialdemokraten, redet zurzeit von fast nichts anderem als von Liebe. Und das häufig im Fernsehen. Pezzopane und die Amore – es ist ein Thema, über das ganz Italien derzeit spricht. Denn Pezzopanes Lebensgefährte Simone Coccia Colaiuta ist 31 und damit 24 Jahre jünger und überragt seine Angebetete weit. Und er ist auch noch ein Stripper, der schon einmal in einer einschlägigen Datingsendung auftrat und dessen Körper 60 Tattoos zieren.

Die Senatorin in Rom und ihr muskulöser Geliebter sind eine Sensation in einem Land, in dem Frauen häufig noch die Hausarbeit erledigen, Männer die Schaltstellen dominieren und sich in der Liebe mehr Freiheiten nehmen als Frauen. Hat ein älterer Herr eine junge Geliebte – kein Skandal, dann ist das ein Zeichen seiner Attraktivität und Virilität. Über Pezzopane und Coccia Colaiuta ergießt sich hingegen Häme und Spott. „Hat Pezzopane nicht kapiert, dass der Jüngling nur mit ihr zusammen ist, um Aufmerksamkeit zu bekommen?“, so ein Kommentar in den sozialen Netzwerken, ein anderer fordert Pezzopanes Aufgabe ihres Parlamentssitzes und auch Vergleiche mit der drallen grünen Figur Fiona aus dem Zeichentrickfilm „Shrek“ gibt es.

Pezzopane wirbt für Toleranz und spricht von wahren Gefühlen. Doch die Zweifel an der Aufrichtigkeit Colaiutas sind, vorsichtig formuliert, nachvollziehbar. Seine Showkarriere hob bislang nicht ab. Jetzt versucht er sich als Rapper. Ein bisschen PR in eigener Sache kann da nicht schaden. Vor allem dann, wenn das musikalische Talent sich beim Probehören nicht sofort offenbart. Die erste Aufnahme etwa heißt „Nummer Null“. Zu schleppendem Rhythmus ackert sich Colaiuta durch holprige Verse, in denen er sein Leben besingt. „Seit ich Teenager war, war mein Leben hart“, brüllt er.

Pezzopane verteidigt ihren Coccia. Im Fernsehen sagt sie: „Ich habe mich als Frau immer für die Rechte und die Freiheiten stark gemacht. Und auch für die Amore.“ Sie verstehe nicht, warum Italien so rückwärtsgewandt sei. Sie wolle auch den anderen Frauen helfen und sagt: „Amore tötet nicht. Amore schadet nicht. Amore ist Amore.“