Schicksal

Der beste und schlimmste Tag des Lebens

Ein Paar aus den USA bekommt nach einer künstlicher Befruchtung Vierlinge. Erst läuft alles gut, doch dann stirbt die 36-jährige Mutter

Als Erica und Carlos Morales im vergangenen Jahr zum ersten Mal ein Ultraschallbild sahen, konnten sie es einfach nicht glauben. In dem Bauch der 36-jährigen angehenden Mutter aus Phoenix im amerikanischen Arizona schlug nicht nur ein Herz, sondern gleich vier. „Wir hatten keine Ahnung, dass wir Vierlinge bekommen sollten“, erinnert sich Carlos in einem Interview mit dem „People Magazin“ an diesen Moment. Jahrelang hatte das junge Paar vergeblich versucht, ein Baby zu bekommen. Am Ende hatten sie sich für eine künstliche Befruchtung entschieden, um sich ihren Lebenstraum zu erfüllen.

Sieben Monate dauerte die Schwangerschaft. Dann entschieden sich die Ärzte, die Babys am 15. Januar per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen. Alles verlief zunächst nach Plan. Die drei Mädchen und ein Junge kamen trotz der Frühgeburt und ihrem geringen Gewicht von kaum drei Pfund gesund zur Welt. Und auch der Mutter schien es trotz der Strapazen gut zu gehen.

Doch dann nahm das Schicksal eine unerwartete und fatale Wende. Erica Morales hatte während des Kaiserschnitts sehr viel Blut verloren. Sie starb nur wenige Stunden nach der Geburt und noch bevor sie ihre Vierlinge in den Arm nehmen konnte. „Wir waren doch die glücklichsten Menschen auf der Welt“, sagt Carlos Morales.

Carlos und Erica Morales hatten sich 2006 in einer Bar in Scottsdale, Arizona, kennengelernt. „Damals habe ich noch kein Englisch gesprochen“, erinnert sich der Einwanderer aus Mittelamerika. „Und Erica verstand kein Spanisch.“ Doch gestört hatte das beide offenbar nicht. Carlos forderte seine Auserwählte zum Tanzen auf, der Rest ergab sich dann von selbst. Schon ein Jahr später heirateten die beiden in Las Vegas und planten ihre gemeinsame Zukunft. „Wir wollten unbedingt ein Baby“, sagt Carlos. Doch ihr Wunsch blieb lange unerfüllt. Nach einer Fehlgeburt versuchten sie es über eine künstliche Befruchtung. Im vergangenen Juni wurde Erica Morales, eine Immobilienmaklerin, dann schwanger. Die Schwangerschaft verlief ohne Probleme. Ericas Mutter half den beiden im Haushalt. Und die Ärzte zeigten sich bei den regelmäßigen Untersuchungen lange Zeit zufrieden. Das ändere sich erst am 12. Januar, als die werdende Mutter mit zu hohem Blutdruck zur Beobachtung in eine Klinik musste.

Drei Tage später bekam sie dann ihre ersten Wehen. „Die Ärzte wollten dann sehr schnell die Babys holen“, erinnert sich Carlos Morales, der am Tag der Geburt bei der Arbeit war und erst nach einer Textmessage von seiner Frau ins Krankenhaus kam. „Ich habe noch Fotos und Videos von Erica gemacht, bevor sie in den Kreißsaal kam“, erzählt Morales. „Und gemeinsam haben wir noch über mögliche Namen für die Babys nachgedacht.“ Der Junge sollte Carlos Junior heißen, zwei der Mädchen Tracey und Paisley. Nur für die dritte Tochter hatten sie noch keinen passenden Namen gefunden. „Meine Frau sagte noch, dass wir ja noch nach der Geburt darüber nachdenken können“, sagt Morales. Es waren die letzten Worte, die er von ihr hören sollte. Erica Morales, die nach dem Kaiserschnitt in einen künstlichen Schlaf versetzt wurde, wachte nur noch einmal kurz auf. „Sie hat meine Hand gedrückt“, sagt Morales. „Aber sie hat nichts mehr gesagt.“

„Warum nur?“

Bis heute kann Morales nicht verstehen, was in dieser Nacht zum 16. Januar passiert ist. „Alles war doch in Ordnung“, sagt er. Doch plötzlich fingen die Geräte an zu piepen. Ärzte kamen ins Zimmer gerannt. Helfen konnten sie Erica Morales nicht mehr. „Innerhalb eines Tages hatte ich den besten und den schlimmsten Moment meines Lebens“, sagt Morales. „Meine vier Babys kamen zur Welt, und dann starb meine Frau. Warum nur?“

Morales, ein Fabrikarbeiter in Phoenix, muss erst einmal sein neues Leben in den Griff bekommen. Und das ohne seine Frau und mit Vierlingen, von denen Carlos Junior und Tracey mittlerweile zu Hause sind. Zwei Babys müssen noch in der Klinik bleiben. Carlos Schwiegermutter hilft weiterhin im Haushalt und eine Freundin versucht, für ihn Geld zu sammeln. Auf GoFundMe im Internet sind innerhalb eines Monats bereits fast 255.000 Dollar zusammengekommen, mehr als 7000 Menschen wollen helfen.

„Ich habe nach dem Tod vom Erica auf ihrem iPad eine Liste gefunden, was sie sich für unsere Kinder wünscht“, sagt Carlos Morales. Sie sollen zweisprachig aufwachsen, einmal aufs College gehen und einen guten Job bekommen, sagt der Vierlingsvater, der auch einen Namen für das dritte Mädchen gefunden hat. Sie heißt Erica – in Gedenken an seine verstorbene Frau.