Gedenken

Mr. Spock ist tot

Der Schauspieler Leonard Nimoy ist im Alter von 83 Jahren in Los Angeles gestorben

Leonard Nimoy hat im Verlauf einer 62-jährigen Karriere in genau 134 Filmen mitgewirkt. Und doch wurde er ein Leben lang auf eine Rolle reduziert, die er drei Jahre lang spielte, in den Sechzigern, in einer Serie, die nach drei Staffeln wegen schlechter Quoten eingestellt wurde: Mr. Spock im „Raumschiff Enterprise“. Es waren die spitzen Ohren und der vulkanische Gruß: eine erhobene rechte Hand, zwischen gespreiztem Ring- und Mittelfinger ein V bildend. Spock, der Wissenschaftler an Bord, war neben Captain Kirk und Dr. McCoy einer von drei zentralen Charakteren der Serie und wurde später zum Botschafter der Föderation befördert, der immer wieder Frieden mit dem Klingonischen Reich stiften muss.

Spock stellte sich als Lebensrolle heraus, weil die Fans nicht genug von der Enterprise bekommen konnten. Nimoy lieh ihm die Stimme in einer Trickserie, in einigen Folgen von „The Next Generation“, und als „Star Trek“ ins Kinouniversum startete, war er in den ersten sechs Filmen, zusammen mit dem Rest der Originalbesetzung, wieder an Bord. Dann musste die alte Besetzung jüngeren Raumfahrern weichen, aber selbst jetzt war seine Mission nicht zu Ende: Als alter Spock wurde er in den beiden J.-J.-Abrams-Filmen 2009 und 2013 noch einmal wiederbelebt.

Das Verhältnis des Stars zu seinem Alter Ego war lange gespannt. Einerseits gab es ihm berufliche Sicherheit, die er in den anderthalb Jahrzehnten seiner Karriere nie zuvor gehabt hatte: „Zum ersten Mal hatte ich einen Job, der länger als ein paar Wochen dauerte, und eine Garderobe, auf deren Tür mein Name aufgemalt war – und nicht nur mit Kreide draufgeschrieben.“

Hassliebe zum Vulkanier

Nimoy schrieb zwei autobiografische Bücher, das erste 1975 hieß „I am not Spock“, das zweite 1995 „I am Spock“. Im ersten berichtete der Schauspieler von einer Identitätskrise und einer Hassliebe zwischen ihm und dem Vulkanier. „Für mich stellte sich die Frage, ob ich mich Spock hingeben – oder das riesige öffentliche Interesse an ihm bekämpfen sollte. Ich habe nun begriffen, dass ich nie wirklich eine Wahl besaß. Spock und das Raumschiff Enterprise sind immer lebendig geblieben, und es gab nichts, das ich tun konnte, um das zu ändern.“

20 Jahre später hatte Nimoy offenbar seinen Frieden mit Spock geschlossen. Er erinnerte sich, dass er viel von der eigenen Person in die fiktive Figur hatte einbringen können; in der Tat war der Vulkaniergruß wohl seine Erfindung gewesen, beruhend auf der Geste von jüdischen Priestern, die er als Kind bei Segnungen gesehen hatte. Nimoy war der Spross orthodox-jüdischer Einwanderer aus der Ukraine, sein Vater betrieb einen Friseurladen in Boston. Sein Leben lang blieb Nimoy an Religion interessiert und veröffentlichte 2002 den Fotoband „The Shekhina Project“, der sich mit weiblichen Zügen in der Präsenz Gottes befasste; in der jüdischen Gemeinde wurde das Projekt höchst kontrovers aufgenommen.

Umgekehrt hatte auch die „Persönlichkeit“ Spocks großen Einfluss auf den Menschen Leonard Nimoy. In gewisser Weise, gibt er in seiner zweiten Autobiografie zu, hätten sich die beiden vereint. Er sei viel logischer, rationeller und nachdenklicher geworden.

Zu den viel imitierten Erfindungen Nimoys gehörte auch die „Vulcan Mind Meld“, eine Art Verschmelzung der Gehirne, in der Spock den Kopf des zu Verhörenden ergriff, seine Finger auf dessen Schläfen legte, die Augen schloss – und dann ihre Gehirne kurzschloss. In einer ähnlichen Symbiose schienen auch er und William Shatner manchmal zu leben. Selbst ihren Tinnitus hatten sie sich bei einer Spezialeffekt-Explosion gemeinsam geholt. Nun ist Captain Kirk allein. Leonard Nimoy starb einen Monat vor seinem 84. Geburtstag in seinem Haus in Los Angeles an einer Lungenerkrankung.