Polizei

Holland-Rocker müssen einpacken

Bundesregierung verbietet den Klub Satudarah, der seit drei Jahren in Deutschland aktiv war. Bundesweite Razzia mit 1000 Polizisten

Polizisten tragen die zitronengelben Klubinsignien aus den Vereinshäusern: zwei Indianerköpfe mit Federschmuck, das Logo des berüchtigten Rockerklubs Satudarah. Nach drei Jahren in Deutschland heißt es einpacken für Satudarah. Am Dienstag bekommen die Klubhäuser und die Rocker im Morgengrauen Besuch von Spezialeinheiten, gefolgt von Beamten, die die Vereinsutensilien beschlagnahmen, so geschehen etwa in Duisburg und Aachen. Die Aktion läuft in fünf Bundesländern gleichzeitig.

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hat die aus den Niederlanden kommende Konkurrenz der Hells Angels bundesweit verboten. Während bei Bandidos und Hells Angels bislang nur einzelne Ableger, die sogenannten Chapter und Charter, verboten werden konnten, erstreckt sich das Verbot in Sachen Satudarah auf sämtliche deutschen Aktivitäten. Allein in Nordrhein-Westfalen, wo sich die Satudarah-Aktivitäten in Deutschland bündeln, sind 540 Polizisten im Einsatz, um das Verbot umzusetzen. Bundesweit sind es etwa 1000 Beamte.

Sie beschlagnahmen am Dienstag Messer, Schlagstöcke, Schlagringe, Macheten, Schwerter sowie Gas- und Schreckschusspistolen. Ein schwerer Rückschlag für die Multikultirocker. Neun Niederländer molukkischer Herkunft hatten den Klub 1990 gegründet. Ihm gehören inzwischen Rocker verschiedener Nationalitäten an. Satudarah bedeutet in der Sprache der indonesischen Inselgruppe wörtlich „Ein Blut“. Der Klub hatte 2014 nach eigenen Angaben weltweit 85 Abteilungen, davon rund 40 in den Niederlanden. Bei ihrer Expansion über die deutsch-niederländische Grenze waren sie bislang alles andere als vom Glück verfolgt. Ihr Chapter in Recklinghausen musste sich nach einer Reihe von Festnahmen im vergangenen Jahr auflösen.

Präsident mit Kalaschnikow

In Duisburg ließ sich der dortige Satudarah-Präsident mit einer Kalaschnikow erwischen und landete vor Gericht. Dann folgte der Paukenschlag, der die Rockergruppe „ins Mark getroffen“ hat, wie Kriminaldirektor Thomas Jungbluth, Experte für Organisierte Kriminalität im nordrhein-westfälischen Landeskriminalamt, sagt.

Der Duisburger Satudarah-Präsident, der sich Ali Osman nannte, pfeift auf das eherne Schweigegelübde der kriminellen Rockerklubs und legt vor Gericht eine Lebensbeichte ab. Er gesteht Drogen- und Waffengeschäfte, verrät Komplizen und Hintermänner. Auch sein Vize packt aus. Für die Polizei ist das ein Festtag. Der Präsident dürfte damit zugleich die juristische Basis für das Verbot geliefert haben. Aber auch bei den Hells Angels dürften nun die Sektkorken knallen, ist die leidige Konkurrenz damit auf einem weiteren Tiefpunkt angelangt.

Schließlich hatte das Auftauchen der verfeindeten Holland-Rocker in Deutschland vor drei Jahren den schwelenden Rockerkrieg angeheizt. Ein Handgranatenanschlag auf eine Hells-Angels-Lokalität wird Satudarah zugerechnet. Die Höllenengel schlagen zurück, in Düsseldorf wird ein 26-Jähriger aus dem Umfeld von Satudarah niedergestochen. „Satudarah darf mit seinen Symbolen und Kutten nun nicht mehr in Deutschland öffentlich auftreten. Deutschland ist für sie zu einer No-go-Area geworden“, sagt Jungbluth.

Der Rockerklub sei bei seinen Verbrechen in Deutschland von Anführern aus den Niederlanden gesteuert worden, sagte de Maizière in Berlin. Die Rocker seien vor allem im Drogen- und Waffenhandel aktiv gewesen und hätten eine „schwerwiegende Gefährdung für die öffentliche Sicherheit“ dargestellt. In Nordrhein-Westfalen hatten sie unter anderem versucht, automatische Waffen zu verkaufen. „Das war nicht länger hinnehmbar“, betonte de Maizière. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte über die Satudarah-Rocker: „Sie üben Selbstjustiz, sie verachten den Rechtsstaat.“

Dass ein Vereinsverbot allerdings kein Allheilmittel ist, zeigen die Hells Angels, deren Charter in Düsseldorf zwar seit 15 Jahren verboten ist, die ihre Macht in Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt aber nicht eingebüßt haben. Auf die Frage, welcher Hells-Angels-Charter eigentlich dort den Ton angibt, sagte ein Düsseldorfer Kriminalbeamter vor ein paar Tagen vielsagend: „Das Charter, das es gar nicht gibt.“