Auto

Mit dem Trabi durch Australien

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Der Tscheche Dan Priban schwört bei seiner Down-under-Expedition auf den Zweitakter

Mit seinen gelben Trabis hat Dan Priban schon die halbe Welt bereist, jetzt folgt der 39-Jährige aus Tschechien dem Ruf des nächsten Abenteuers. „Nach Afrika, Asien und Südamerika ist Australien an der Reihe“, sagt Priban. Der Weltreisende schwört seit Jahren auf den Zweitakter aus der DDR. „Es ist ein einfaches, aber robustes Auto“, sagt er über seinen 601er.

In einer Werkstatt bei Prag bekommen die Expeditionsfahrzeuge von „Transtrabant“ den letzten Schliff: Zwei Trabant-Universal, voll beladen und mit Dachgepäckträgern, ein Kleinstwagen vom Typ Polski Fiat 126, dazu zwei Jawa-Motorräder. Das sind knapp 99 PS – zusammengerechnet. Verstaut wird alles in einem einzigen Container. Motorräder und Autos reisen per Schiff voraus, bevor Priban Anfang April im westaustralischen Perth richtig loslegen kann.

Zur multinationalen Crew gehören auch zwei Rollstuhlfahrer. „Sie sind es gewohnt, mit Schwierigkeiten klarzukommen“, sagt Priban. Kuba Koucky und Kika Madajova werden eines der beiden Duroplast-Autos fahren. Der Trabant 601H ist von Haus aus mit einem „Hycomaten“ für Gehbehinderte ausgestattet, einer Art automatischer Kupplung. Zusätzlich bekam er eine Handbedienung.

Die Fahrzeuge haben schon einiges hinter sich. Bei der vergangenen Reise durch Südamerika ging es über morsche Holzbrücken und steile Passstraßen. Der größte Schreckensmoment kam am Pazifik. „Wir sind am Strand entlanggefahren – dann kam die Strömung“, erzählt Priban. Beinahe seien die Autos für immer ins Salzwasser gerissen worden. „Das hat natürlich auch seine Spuren hinterlassen“, sagt Kfz-Meister Miloslav Foukner. Er hat Motor, Getriebe und Karosserie daraufhin zerlegt – und wieder zusammengebaut.

Der Trabi ging in der DDR als Serien-Pkw 1958 als Trabant P50/500 mit einem 500 Kubikzentimeter-Motor und 18 PS an den Start. 1964 dann der Modellwechsel zum P 601 mit 600 Kubik und 26 PS. Von diesem Typ wurden bis 1990 rund 2,8 Millionen Fahrzeuge verkauft. Während seiner langen Bauzeit wurde er nur im Detail weiterentwickelt, sodass er in späteren Jahren letztlich die Erstarrung der DDR-Wirtschaft widerspiegelte. Der P 601 wurde 1989/1990 zu einem Symbol der Wiedervereinigung Deutschlands. Am 30. April 1991 lief der letzte Trabi vom Band.

Für Priban begann alles vor acht Jahren: Er und zwei seiner Kameraden wollten eigentlich mit einem Landrover auf große Reise gehen. Doch sie hatten weder einen Geländewagen noch Geld, dafür aber einen Trabi. „Die Trabis sind immer noch dieselben“, berichtet Priban. Besondere Extras, die kaputtgehen könnten, gebe es bei diesen Autos gar nicht erst.

In der australischen Wüste drohen den neun Tschechen, Polen und Slowaken eher Hitze und Trockenheit. Die mit Phenolharz getränkten Baumwoll-Pressteile des Trabanten dürften das aushalten. „Das fängt eher an zu brennen, als dass es schmilzt“, scherzt Priban. Um Kühlwasser müsse man sich dank der Luftkühlung keine Sorgen machen, sagt Foukner: „Je schneller man fährt, desto besser die Kühlung.“ Was ist mit Australiens Giftschlangen? „Im Zoo hat man uns gesagt, dass die Schlangen mehr Angst vor uns haben als wir vor ihnen“, sagt Priban. Die Experten hätten ihn vor einem ganz anderen Lebewesen gewarnt, dem in Australien heimischen Ameisenigel. Auch wenn so ein stacheliges Tierchen schon überfahren auf der Straße liege, könne es noch die Reifen durchpiksen.

Endstation ist Bangkok

Die Route des Teams führt von Perth über mehrere Tausend Kilometer Schotterpiste zum Ayers Rock im Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark. Über Sydney soll es nach Darwin gehen. Per Schiff wird nach Osttimor übergesetzt. Endstation ist nach vier Monaten Bangkok. Geldsorgen muss sich die Ostauto-Crew heute nicht mehr machen. Über eine Crowdfunding-Kampagne kamen zwei Millionen Kronen zusammen, umgerechnet 73.000 Euro. Für Priban ein völlig überraschender Geldsegen: „Wir dachten, dass wir einen Monat brauchen würden, um auch nur ein Viertel davon zusammenzubekommen.“ Australien sei das bisher teuerste Reiseziel, allein wegen des weiten Containertransports. Wohin die nächste Reise gehen könnte, weiß Priban auch schon. Von Thailand aus wollen er, Mechaniker Zdenek Kratky und der Rest des Teams über Birma, Nepal und Tadschikistan an die erste Trabi-Reise vor acht Jahren entlang der Seidenstraße anschließen. Und er träumt: „Dann würde sich der Kreis um die Welt schließen.“