Prozess

Nur „Gast“ bei Sexpartys

Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn weist vor Gericht Vorwurf der Zuhälterei klar zurück

Von Dominique Strauss-Kahn, das wird sehr schnell deutlich, ist kein Schuldeingeständnis zu erwarten. Sexpartys? Ja, aber als Gast und nicht als Organisator. Bezahlte Prostituierte als Sexpartnerinnen? Davon wusste er nichts. Gesetzesverstöße? Er ist doch kein Verbrecher. Im Zuhälterei-Prozess um ausschweifende Feiern mit Callgirls hat der frühere IWF-Chef bei seiner ersten ausführlichen Befragung vor Gericht alle Vorwürfe abgestritten. Doch die Schilderungen einer Prostituierten, die unter Tränen von einem der fraglichen Abende berichtete, schien auch den 65-Jährigen nicht kalt zu lassen.

Der Prozess um die Sexpartys in Paris, Brüssel und Washington ging am Dienstag in die intensive Phase. Denn rund eine Woche nach Prozessbeginn wurde vor dem Gericht im nordfranzösischen Lille erstmals der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) und einstige sozialistische Spitzenpolitiker selbst ausführlich befragt.

Aufregung gab es schon, als Strauss-Kahn mit einer schwarzen Limousine mit verdunkelten Scheiben zum Gerichtsgebäude gefahren wurde: Drei halbnackte Femen-Aktivistinnen stürzten sich auf das Auto, es gab ein wildes Handgemenge mit hart zupackenden Polizisten.

Trotz der Protestaktion war der 65-jährige Strauss-Kahn, dunkelblauer Anzug und helle Krawatte, vor Gericht die Ruhe selbst. Auf die teils sehr direkten Fragen des Vorsitzenden Richters und der Anwälte der Nebenklage antwortet er redegewandt und ohne auszuweichen.

Der in Frankreich kurz „DSK“ genannte Strauss-Kahn hielt an seiner Verteidigungslinie fest: Er räumte die Teilnahme an den Sexpartys ein, bestritt aber gewusst zu haben, dass er es mit Prostituierten zu tun hatte. Bei den Sexpartys sei er lediglich ein „Gast“ gewesen, betonte Strauss-Kahn. „Ich sehe mich in keiner Weise als Organisator dieser Abende. Ich hatte nicht die Zeit, irgendeinen Abend zu organisieren.“ Ohnehin: Sex mit Prostituierten interessiere ihn nicht: „Es mit Prostituierten zu tun ist nicht meine Vorstellung von sexuellen Beziehungen.“

Es drohen zehn Jahre Haft

Dass er an regelrechten Sexorgien teilgenommen habe, wie es die Anklage ihm vorwirft, wies Frankreichs früherer Finanzminister zurück: „Es hat diese zügellose Aktivität nicht gegeben.“ Schon in einem Brief, der zu Beginn des Verhandlungstags verlesen wurde, betonte Strauss-Kahn: „Ich habe weder ein Verbrechen noch ein Vergehen begangen.“

Die Untersuchungsrichter sehen das anders – sie wollen eine Verurteilung Strauss-Kahns wegen schwerer Zuhälterei erreichen. Demnach war Strauss-Kahn Dreh- und Angelpunkt der Feiern, der „Partykönig“. Außerdem soll er eine Wohnung in Paris für Sexpartys zur Verfügung gestellt haben – allein das kann als Zuhälterei ausgelegt werden. Bei einer Verurteilung drohen Strauss-Kahn, den eine Affäre um Vergewaltigungsvorwürfe in New York 2011 die IWF-Spitze und seine politische Karriere kostete, bis zu zehn Jahre Haft.

Eine zentrale Rolle nehmen in dem Prozess in Lille auch die Prostituierten ein, die an den Sexpartys teilnahmen. Eine von ihnen gab am Dienstag an, eine Bezahlung oder ihr Beruf als Callgirl sei bei ihrem Treffen mit „DSK“ in einem eleganten Pariser Hotel kein Thema gewesen.

Doch ihre Schilderung von der Sexparty war eine brennende Anklage gegen Strauss-Kahn: Die Sexpraktik sei „gegen die Natur“ gewesen, sagte Mounia mit tränenerstickter Stimme. „Ich habe geweint, ich hatte Schmerzen.“ Es sei „brutal“ gewesen, wenn auch „einvernehmlich“.