Unwetter

Aufatmen in New York

Schneesturm „Juno“ fällt in der Metropole glimpflicher aus als angekündigt

Fahrverbot auf den Straßen, die Brücken von und nach New Jersey gesperrt, leere und geschlossene U-Bahnstationen, stillstehende Busse und Nahverkehrszüge – es waren Bilder, die es in New York City nicht oft zu sehen gibt. Das Stadtbild prägten bis gestern vor allem Schneeräumfahrzeuge, Polizei und Rettungsdienste. Und Schneemassen, die eher in ein Skigebiet passen als in eine 8,2-Millionen-Einwohner-Metropole. Schuld an der Geisterstadt Manhattan hatte der von Bürgermeister Bill de Blasio angekündigte „historische Sturm“, dem die Wetterdienste den Namen „Juno“ gaben. Bis zu 60 Zentimeter Neuschnee hatten die Meteorologen prophezeit, und das bei Temperaturen um minus zehn Grad Celsius und Windgeschwindigkeiten in Hurrikan-Stärke von bis zu 100 Kilometern pro Stunde. „Einer der größten Blizzards in der Geschichte“, warnte de Blasio: „Bleiben Sie zu Hause.“

Doch als die New Yorker am Morgen nach der vorhergesagten Naturkatastrophe aufwachten, rieben sich viele verwundert die Augen. Monstersturm? Viel zu sehen war davon nicht. Ein paar Zentimeter Neuschnee, ja, aber von dem angekündigten halben Meter und mehr keine Spur. Im Central Park konnten die Behörden gerade einmal 13 Zentimeter messen. Für einen Rekord reichte das lange nicht. Den hatte ein Sturm im Jahr 2006 aufgestellt, als die Wetterdienste 68 Zentimeter maßen. Alles nur ein Fehlalarm eines übervorsichtigen Bürgermeisters? Am Dienstagmorgen um 5.30 Uhr Ortszeit hoben die Behörden der Stadt sowie von New Jersey die Blizzard-Warnung und auch das generelle Fahrverbot wieder auf.

Die U-Bahnen und Nahverkehrszüge, die jeden Tag zur Rushhour Millionen Pendler nach Manhattan bringen, blieben wie die Vereinten Nationen und die 1700 Schulen der Stadt am Dienstag allerdings noch geschlossen. Insgesamt eine Million Schüler durften sich über einen freien Tag freuen. Auch der Flughafen LaGuardia blieb erst einmal geschlossen. 7700 Flüge waren bereits am Vortag auf den drei Airports der Stadt gestrichen worden. Und United Airlines hatte für Dienstag vorsichtshalber gleich alle ihre Flüge gecancelt. Um das erwartete Schneechaos in den Griff zu bekommen, hatte Bürgermeister de Blasio insgesamt 2400 Einsatzkräfte der Stadtreinigung und insgesamt 1800 Räumfahrzeuge eingesetzt.

Der Monstersturm, der für die Stadt eher ein der Jahreszeit entsprechender, strenger Wintersturm blieb und im Laufe der Nacht weiter nach Osten gezogen war, legte andere Regionen dagegen völlig lahm. Vor allem das zwei Autostunden vom menschenleeren Times Square entfernte Long Island traf „Juno“ bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern und Schneefall von fünf Zentimeter pro Stunde mit voller Härte. Die Behörden in Montauk am Ende der Insel meldeten Tausende Haushalte ohne Strom und warnten zusätzlich vor möglichen Überflutungen im Küstenbereich.

Diese Warnungen galten auch für die Bundesstaaten Connecticut, Massachusetts, Rhode Island und Maine, wo „Juno“ das Leben größtenteils zum Erliegen brachte. Die Gouverneure hatten für die gesamte Region, einen Streifen von 400 Kilometer entlang der Ostküste der USA, den Notstand und ein generelles Fahrverbot ausgerufen. Stürme in Hurrikan-Stärke von bis zu 96 Kilometern pro Stunde meldeten Cape Cod und Nantucket in Massachusetts, wo es auch zu größeren Überschwemmungen kam.