Prozess

„Costa Concordia“: 26 Jahre Haft für Kapitän gefordert

Der Kapitän des gesunkenen Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ soll nach dem Willen der italienischen Staatsanwaltschaft für 26 Jahre und drei Monate hinter Gitter.

Francesco Schettino sei der mehrfachen fahrlässigen Tötung schuldig und habe das Schiff verlassen, obwohl noch zahlreiche Passagiere an Bord waren, sagte Staatsanwältin Maria Navarro am Montag vor Gericht in Grosseto. Überdies habe er den Schiffbruch verursacht. Bei der Katastrophe am 13. Januar 2012 waren 32 Menschen ums Leben gekommen.

„Möge Gott Mitleid mit Schettino haben, wir können es nicht“, sagte Ankläger Stefano Pizza in seinem Schlussplädoyer. Navarro sagte, die lange Haftstrafe sei „nicht übertrieben“, denn Schettino habe „jeden angelogen: die Medien, das Gericht, die Behörden“. Er habe seine Verantwortung für das Unglück bis heute nicht akzeptiert, zudem seien im Prozess keine entlastenden Umstände zutage gekommen. Der Kapitän sei eine Mischung aus „einem leichtsinnigen Optimisten und einem kompetenten Idioten“, sagte Pizza. Für die Staatsanwaltschaft ist Schettino der Hauptverantwortliche für das „Costa Concordia“-Unglück. Nach einem von ihm veranlassten und misslungenen Manöver vor der Insel Giglio soll der Kapitän die Evakuierung des Kreuzfahrtriesen mit 4229 Menschen an Bord viel zu spät veranlasst, sich dann selbst gerettet und die Menschen an Bord ihrem Schicksal überlassen haben. Aufforderungen der Küstenwache, auf das Schiff zurückzukehren, widersetzte er sich.

Schettino hatte im Prozess seiner Crew die Hauptschuld an der Tragödie gegeben, diese habe ihn nicht rechtzeitig und umfassend über die nahende Gefahr informiert. Das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ war auf einen Felsen aufgelaufen, als die meisten Passagiere beim Abendessen saßen. Es lief voll und kippte auf die Seite. Unter den Todesopfern sind zwölf Deutsche.