Skandal

Nach Nuss-Affäre droht eine knackige Strafe

Der Fall um die ungezogene Tochter setzt aber auch Südkoreas Eliten zunehmend unter Druck

Macadamia-Nüsse sind derzeit in Südkorea Gesprächsthema Nummer 1. Die sogenannte Nuss-Affäre um die älteste Tochter des Chefs der Fluggesellschaft Korean Air, Cho Hyun Ah, hat die Neugier der Koreaner auf diese Steinnuss geweckt hat. Macadamia-Nüsse zählen zu den teuersten Nüssen der Welt. Auch die 40-jährige Cho Hyun Ah könnte der Fall teuer zu stehen kommen, und Koreas Eliten geraten zunehmend unter Druck.

Als ihr am 5. Dezember eine Flugbegleiterin in der ersten Klasse eines Flugzeugs Macadamia-Nüsse in einer Tüte und nicht in einem Schälchen reicht, rastet Cho aus. Was danach passiert, macht Schlagzeilen in Südkorea und im Ausland: Es entbrennt ein heftiger Streit, sodass die Korean-Air-Maschine vom Typ A380 von der Startbahn des Flughafens John F. Kennedy in New York zurück zum Gate geführt wird. Auf Betreiben Chos hin muss der Chefsteward das Flugzeug verlassen. Der Vorfall hat Cho im Ausland vor allem der Lächerlichkeit preisgegeben. Im eigenen Land ist sie zum Ziel beißender Kritik geworden. Cho muss sich mittlerweile vor Gericht wegen des Vorfalls verantworten. Bei einer Verurteilung drohen Cho südkoreanischen Medien zufolge bis zu zehn Jahre Haft.

„Absolutistisches Verhalten“

Die Koreaner sehen im Verhalten Chos ein Beispiel für die Arroganz der Familien, die in Südkorea große Konzerne kontrollieren. Chos Verhalten sei als „absolutistisch“ aufgefasst worden, sagt der Leiter des Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung in Seoul, Lars-André Richter. Großkonzerne wie Samsung, Hyundai oder LG haben große Macht. Es wird geschätzt, dass die zehn größten Firmengruppen drei Viertel der südkoreanischen Wirtschaft kontrollieren. Was die Koreaner besonders wurmt: Viele Söhne, Töchter oder Enkel der Konzerngründer erklimmen schon kurz nach dem Eintritt in das Unternehmen einen hohen Posten. Cho selbst gehört zur Familie, die die Hanjin-Gruppe kontrolliert, zu der auch Korean Air gehört. „Die Erben dieser Familien sind von normalen Einstellungs- und Beförderungsverfahren größtenteils ausgenommen“, schreibt die linksliberale Zeitung „Hankyoreh“. Laut einer Umfrage der Zeitung unter 15 Firmen besetzten 28 Mitglieder der dritten Generation der betreffenden Familien bereits im Alter von durchschnittlich 31,2 Jahren einen Managerposten.

Am vergangenen Montag war die erste Anhörung Chos vor Gericht. Der volle Saal sei ein Beweis für das große öffentliche Interesse an dem Fall, sagten Beobachter. Cho wurde in blauer Haftkleidung vorgeführt. Ihr Anwalt entschuldigte sich in ihrem Namen für den Ärger, den ihr Verhalten ausgelöst habe. Die Koreaner befürchten nun, dass Cho dank ihres Hintergrunds glimpflich davonkommt. Doch wie immer das für Februar erwartete Urteil am Ende ausfällt: Stellvertretend für viele andere Medien rief die Zeitung „JoongAng Ilbo“ zu einer „Abkehr von unserer ausgedienten Unternehmenskultur“ auf.