Justiz

Von der Kunst, eine Bank auszurauben

Früherer Uni-Professor überfällt zwei Banken und verteidigt sich vor Gericht: „Nur ein Projekt“

Mit Kunst ist das ja bekanntlich so eine Sache. Die einen können gar nichts damit anfangen, und andere glauben, sie könnten alles leicht auch selbst machen. Vor einem Strafgericht in New York könnte die Diskussion um die Frage, was Kunst ist und was nicht, jetzt über das weitere Schicksal eines ehemaligen Professors für bildende Künste der Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston entscheiden. Dort muss sich Joseph Gibbons, zumindest wenn es nach dem Staatsanwalt geht, wegen Bankraubes verantworten. Ein Vorwurf, der ihn bis zu sieben Jahre hinter Gitter bringen könnte, den der Beschuldigte allerdings nicht nur vehement bestreitet, sondern auch gekränkt in seiner Künstlerehre empört zurückweist.

Denn für den 61-jährigen Gibbons war der Auftritt in der Capital One Bank in Chinatown kein Verbrechen, sondern einfach nur Kunst. Es sei ihm nicht um das schnöde Geld gegangen, sondern nur darum, für einen neuen experimentellen Film ein paar lebensechte Szenen zu drehen. Deshalb habe er ja auch seine Videokamera dabei gehabt und alles damit gefilmt. Bisher allerdings scheint Richter Abraham Clott eher seinem und dem Kunstverständnis des Staatsanwaltes zu folgen. Die Anklage blieb trotz Proteste des Beschuldigten bestehen und soll am 14. April vor Gericht verhandelt werden. Gibbons durfte aber nach Hinterlegung einer Kaution von 50.000 Dollar vorerst nach Hause nach Boston gehen.

Laut seinem Linkedin-Profil war Gibbons von 2001 bis 2010 am MIT. In dieser Zeit sind mehr als 30 experimentelle und auch erfolgreiche Filme entstanden. Die Kunstwerke wurden in verschiedenen New Yorker Museen wie im Guggenheim oder im Whitney gezeigt. Seit vier Jahren ist der Professor allerdings arbeitslos. Seine finanziellen Probleme könnten für das Gericht ein weiterer Beweis sein, dass er die Bank wirklich ausrauben wollte. Außerdem scheint es nicht das einzige Geldinstitut zu sein, das Gibbons überfallen hatte. Er hat zugegeben, im November des vergangenen Jahres in Providence im amerikanischen Rhode Island in der Citizens Bank 3000 Dollar erbeutet zu haben. „Er hat mir gesagt, dass das kein Überfall war, sondern Kunst sei“, sagte Kaylan Sherrard, ein Zellengenosse aus der Untersuchungshaft, später gegenüber der Polizei aus.