HMR-Programm

XXXL-Mann nur noch „halbe Portion“

Ein junger Amerikaner brachte fast 250 Kilogramm auf die Waage. Dann hielt er zwei Jahre lang Diät – und verlor rund drei Zentner

Es gab eine Zeit im Leben von Ryan Blocker, in der war alles, was er tat, eine große körperliche Anstrengung für ihn. Er keuchte wie ein alter Mann, als er sich morgens aus dem Bett quälte und sich unter größter Mühe anzog. Er schwitzte auf dem Weg zur Arbeit wie einer, der gerade einen Zehn-Kilometer-Dauerlauf hinter sich hatte. Und am Nachmittag war der Lehrer aus Lilbourn im amerikanischen Missouri so erschöpft, dass er zu nichts mehr in der Lage war und sich hinlegen musste.

Die wenige Energie, die Blocker noch hatte, brauchte er zum Essen. Und das tat er gerne und oft. Jahrelang stopfte er von Pommes Frites und Hühnchen bis Gebäck alles in sich hinein, was er bekommen konnte. Und das auch gleich in XXXL-Portionen.

Die Folgen blieben unübersehbar, nicht nur für Blocker selbst, wenn er seinen dicken, in Spitzenzeiten knapp 250 Kilogramm schweren Körper vor seinem Spiegel betrachtete. Auch in dem 1149 Einwohner zählenden Lilbourn, Missouri, zweieinhalb Autostunden südlich von St. Louis, war der „Dicke“ eine bekannte Größe. Man tuschelte über ihn auf der Straße, im Supermarkt genauso wie unter Kollegen an der örtlichen Highschool, wo er unterrichtete. Und auch viele seiner Schüler machten sich über ihren immer schnaufenden und schwitzenden Lehrer lustig.

„Ich hatte große Probleme, die einfachsten Dinge des Alltags zu erledigen“, erinnert sich Blocker an die schlimmste Zeit seiner Fresssucht im Sommer 2012. „Ich war nur erschöpft und müde.“ Doch auch erholen konnte er sich von den körperlichen Strapazen nicht so richtig. Sein massiver Körper machte selbst das Schlafen zu einer Qual und Anstrengung.

Zusammenbruch beim Konzert

Blocker litt nicht nur unter akuten Atem- und Herz-Kreislauf-Problemen, sondern auch unter Bluthochdruck, den er nur noch mit drei verschiedenen Medikamenten in den Griff bekommen konnte.

Sein Arzt warnte ihn eindringlich vor den Folgen seines ungesunden Lebens und befürchtete einen frühen Tod, wenn er nicht schnellstens seine Essensgewohnheiten umstelle und anfange, an Gewicht zu verlieren.

Doch Blocker brauchte ein deutliches Signal, bevor er sein Leben wirklich umstellte. Und das erhielt er im August 2012, einem schwülheißen Tag in Lilbourn. Blocker, Dirigent der Schulkapelle, wollte mit seiner Band auf einer Parade marschieren. „Wir sind eigentlich nur einmal um den Block gelaufen“, erinnert sich der Lehrer. „Am Anfang stand ich wie gewohnt vor meiner Truppe. Am Ende des kurzen Marsches war ich am Ende.“ Und die Kapelle ohne Dirigenten. „Ich konnte ihnen nicht mehr folgen“, gesteht Blocker. „Ich keuchte, mir war schwindelig und ich habe nur noch dunkle Punkte vor meinen Augen gesehen.“ Am Ende hätte er ganz stehen bleiben müssen.

Der peinliche Auftritt sollte der Wendepunkt im Leben von Ryan Blocker werden. Er entschloss sich zu einer Radikaldiät, die ihm ein Arzt empfohlen hatte. Im örtlichen Krankenhaus, dem Saint Francis Medical Center, bot man das sogenannte HMR-Programm (Health Management Ressources) an, eine Diät, die es schon seit 30 Jahren vor allem in Kliniken gibt und die in jüngster Zeit auch außerhalb der Krankenhäuser immer mehr Anhänger zu gewinnen scheint. Das Magazin „U.S. News & World Report“ kürte HMR Anfang des Jahres zu den Topabnehmprogrammen des Jahres 2015.

HMR setzt dabei wie viele andere Diäten auch auf eine fett- und kalorienarme Ernährung, einen hohen Eiweißanteil, viel Bewegung und wöchentliche Kontrollsitzungen mit Gleichgesinnten. HMR, eine Tochtergesellschaft des Pharmaherstellers Merck, verspricht dabei einen schnellen Gewichtsverlust in den ersten Wochen.

HMR liefert dabei Fertiggerichte, die die tägliche Einnahme zwischen 500 bis 1200 Kalorien nicht übersteigen dürfen, nach Hause. Sie werden durch eiweißhaltige Shakes, Müsli oder hochwertige Nahrungsmittelriegel sowie viel Obst und Gemüse ergänzt. Auch Kohlehydrate zählen zum Programm. So soll ein Hungergefühl vermieden werden. Die Diät ist allerdings teuer: In den USA kostet das sogenannte Einstiegsset für die ersten drei Wochen 295 Dollar.

Ryan Blocker ist für HMR mittlerweile das Aushängeschild einer erfolgreichen Diät geworden. Der Lehrer aus Missouri schaffte es mit eiserner Disziplin und ohne eine operative Verkleinerung des Magens, in nur zwei Jahren 158 Kilogramm abzunehmen, also mehr als drei Zentner!