Prostitution

Liebesdienste aus Florida

Millionär Jeffrey Epstein soll junge Mädchen an Prinzen und Präsidenten vermittelt haben

Das, was er ist, will er nicht sein, und das, was er sein will, ist er nicht. Jeffrey Epstein sieht sich gern als milliardenschweren Finanzjongleur porträtiert, mit Kontakten zu königlichen Hoheiten und amerikanischen Präsidenten und mit einer Schwäche für sehr junge Frauen, die er gern „Girls“ nennt. Aber dass der langjährige Kumpel des britischen Prinzen Andrew und Reisekompagnon Bill Clintons bei diesen Mädchen mindestens einmal, angeblich vielmals unter jene Altersgrenze gegriffen hat, die das Gesetz vorsieht, und deshalb als pädophiler Sexualtäter verurteilt wurde, möchte der 61-jährige gern vergessen machen.

Hingegen lässt sich Epstein unwidersprochen als Milliardär bezeichnen, obwohl sein Vermögen vom Fachjournal „Forbes“ bereits vor vier Jahren auf einen Betrag „allenfalls“ im dreistelligen Millionensegment taxiert wurde. Seitdem dürfte es deutlich geschmolzen sein, zogen sich doch einstige Geschäftspartner und einflussreiche Freunde zurück. Allen voran Prinz Andrew, den er anderen Gästen als Andy vorstellte, und Bill Clinton. Der Duke of York soll laut Gerichtspapieren in einem aktuellen Prozess in Florida ebenfalls Liebesdienste von minderjährigen Mädchen genossen haben. Gegen Clinton gibt es keine derartigen Vorwürfe.

Epstein wurde bereits 2008 verurteilt, weil er mindestens in einem Fall die Prostitutionsdienste einer 14-Jährigen in Anspruch genommen habe. Als Gegenleistung für dieses Eingeständnis ließ die Staatsanwaltschaft andere Vorwürfe fallen. Der Beschuldigte erhielt lediglich 18 Monate Haft. Mit weiteren 17 minderjährigen Mädchen soll sich Epstein außergerichtlich durch Zahlung von mehreren Millionen Dollar verglichen haben. Nach nur 13 Monaten war der sportive Silberschopf wieder frei und zurück in den Bussi-Kreisen des internationalen Geld- und Politadels. Jetzt aber wirbelt der alte Fall neuen Staub auf. Denn vier damals minderjährige Mädchen verklagen die Bundesstaatsanwaltschaft der USA. Die Justizbehörde habe die Rechte von Verbrechensopfern verletzt, weil sie die betroffenen jungen Frauen nicht informierte über den Deal mit Epstein, gegen das Einräumen eines einzelnen Vorwurfs die anderen Klagen fallen zu lassen.

Vorübergehend Mathematiklehrer

Der neu-alte Rechtsstreit bringt Prinz Andrew, als drittes Kind der Queen die Nummer 5 im Thronfolge-Ranking, zurück in die Schlagzeilen. Eine inzwischen 30-jährige Frau behauptet in dem jetzt in Florida anhängigen Prozess, Seine Königliche Hoheit habe sie als seinerzeit 17-Jährige „wiederholt“ als „Sexsklavin“ missbraucht. Die unfreiwilligen Liebesdienste für den Duke of York habe sie in London, New York und auf den Virgin Islands leisten müssen, behauptet die damals Minderjährige. Sie sei mit 15 Jahren von Ghislaine Maxwell in diese Kreise eingeführt worden. Die langjährige Freundin Epsteins habe ihr alles beigebracht.

Der Buckingham-Palast weist alle Vorwürfe gegen Prinz Andrew ebenso kategorisch zurück. Weder Maxwell noch der Duke müssen im aktuellen Prozess eine Gerichtsvorladung befürchten. Denn nicht sie sind dort die Beklagten, sondern die Bundesstaatsanwälte. Und auch Epstein muss sich kaum auf neues juristisches Ungemach einstellen, kann er doch nicht wegen ein und desselben Deliktes, nämlich des Verkehrs mit und der Vermittlung von minderjährigen Prostituierten, zweimal verklagt werden.

Clintons Name taucht in den Gerichtsunterlagen an keiner Stelle als Sexualpartner junger Mädchen auf. Bemerkenswert ist aber, dass der Ex-Präsident, der nun First Gentleman zu werden hofft, mit gleich 21 Telefonnummern im digitalen Adressverzeichnis Epsteins auftauchte.

Wer aber ist dieser Epstein wirklich? Der Junggeselle feierte nicht nur ausgiebig mit Adel und Politik und leichten Mädchen in Dessous, von denen er sich nahezu täglich massieren ließ. Er lud auch Nobelpreisträger und Genies wie den Weltenerklärer Stephen Hawking in sein 78-Morgen-Anwesen Little Saint James auf den Virgin Islands.

Der Mann ohne Universitätsabschluss setzt sich zudem als Wohltäter in Szene, der über seine Stiftung, die Jeffrey Epstein VI Foundation, wissenschaftliche, medizinische, gesellschaftliche und kunstsinnige Institutionen unterstützt. Sogar als nahöstlicher Friedensmessias versuchte er sich durch Gründung eines Instituts in Bahrain.

Wie wird man so reich? Epstein, dem Weggefährten ein intuitives Zahlenverständnis nachsagen und der vorübergehend als Mathematiklehrer an einer Privatschule arbeitete, begann 1976 als Derivatehändler bei Bear Stearns in New York. Er stieg 1980 zum Partner auf und musste die globale Investmentfirma nur ein Jahr später aus ungeklärten Gründen verlassen. Kurz darauf gründete er seine eigene Anlagefirma auf Virgin Islands. Aber weil er selbst nach seiner Verurteilung weiterhin für Milliardäre große Summen mit einem genialischen Gespür für goldene Investitionen anlege, mehre er außer dem Geld der Klienten den eigenen Wohlstand, lässt er Fragende wissen.

Ja, so kann man es weit bringen. Aber gleich zum Multimillionär? Epstein, der vorbestrafte Sexualtäter, bleibt ein Rätsel.