Unglück

Tragödie in Shanghai: Familien protestieren vor Stadtverwaltung

Nach der Massenpanik in Shanghai an Silvester mit 36 Toten drängen die Familien der Opfer auf die Herausgabe der Leichname.

Dutzende Angehörige versammelten sich vor der Stadtverwaltung, wie die Zeitung „South China Morning Post“ am Montag berichtete. Im Internet veröffentlichte Fotos zeigten ähnliche Proteste an den Tagen zuvor. Medien zufolge werden viele der Toten wegen der laufenden Untersuchung des Unglücks in Leichenhäusern in Shanghai zurückbehalten.

Am Dienstag erlaubten die chinesischen Behörden den Hinterbliebenen erstmals, den Unglücksort im Hafenviertel Bund zu betreten – aber nur jede Familie allein für sich und für jeweils nur fünf Minuten. Jede Familie musste von städtischen Mitarbeitern begleitet in einem Wagen warten, bis sie an der Reihe war. Mit dieser strikten Kontrolle wollen die chinesischen Behörden nach Ansicht von Beobachtern verhindern, dass die Hinterbliebenen sich zu einer gesellschaftskritischen Gruppe zusammenschließen. Aktivisten monierten, dieses Vorgehen gehe auf Kosten der Angehörigen.

Der Bürgermeister von Shanghai hat derweil indirekt eine Mitverantwortung der Behörden für die tödliche Massenpanik eingeräumt. „Wenngleich die Ursache noch untersucht wird, so müssen wir aus dieser blutigen Lehre lernen und diesen Vorfall intensiv reflektieren“, sagte Yang Xiong am Dienstag vor Abgeordneten, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Dem Bericht zufolge ordnete Yang eine Überarbeitung der Regeln für den Umgang mit großen Menschenansammlungen in der Stadt an.