Unglück

Noch ein deutsches Opfer auf der „Norman Atlantic“

Nach dem Feuer auf der Fähre sind viele Fragen offen. Auch die Zahl der Toten

In der Tragödie um die Adria-Fähre „Norman Atlantic“ gibt es nur wenig Gewissheiten. Eine traurige betrifft Deutschland: Mindestens zwei Deutsche sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes ums Leben gekommen. Unter den Opfern befindet sich demnach auch ein 15-jähriges Mädchen aus Peine. Seine Mutter wird angeblich weiter vermisst, Vater und Schwester sollen wieder zu Hause sein. Vor einigen Tagen war bereits bekannt geworden, dass eine deutsche Frau unter den Opfern ist.

Neun Tage nach dem Unglück sind noch viele Fragen ungeklärt. Am Sonntag vor einer Woche brach auf der Fähre, die vom griechischen Patras ins italienische Ancona aufbrach, ein Feuer aus. Die Flammen griffen schnell um sich, die Passagiere flüchteten an Deck. Wegen des Seegangs mussten die Passagiere von der italienischen Marine und Küstenwache mit dem Helikopter gerettet werden.

Die Zahl der Geretteten, Toten und Vermissten bleibt umstritten. Italien und Griechenland versorgten die Öffentlichkeit mit unterschiedlichen Statistiken. Anfangs war von einem Toten die Rede. Binnen Tagen wurden dann bis zu 179 Opfer befürchtet. Mit entscheidend dafür sind die Zweifel an der Passagierliste. Es ist immer noch nicht sicher, wie viele Menschen sich tatsächlich an Bord befanden. Aktuell wird angenommen, dass mehrere Flüchtlinge als blinde Passagiere mitreisten. Die italienischen Behörden gehen aktuell von 499 Personen an Bord aus. 477 Personen sollen gerettet worden sein. Elf Tote stehen fest, manchmal ist auch von 13 Opfern die Rede. Die restlichen neun oder elf Personen gelten als vermisst.

Gemutmaßt wird über die Ursache des Feuers. Eine Hypothese: Im Bauch des Schiffs befanden sich viele Lastwagen mit einer Kühlanlage. Sie transportieren unter anderem Fisch für das bevorstehende Neujahrsfest. Die Ermittler halten es für möglich, dass es zu einem Kurzschluss kam, der die Stromleitungen auf der Fähre in Brand setzte.

Seit mehreren Tagen wird das Wrack der „Norman Atlantic“ im Hafen von Brindisi untersucht. Die Inspektion wird durch das immer noch schwelende Feuer behindert. „Der Brand ist noch nicht erstickt“, sagte Mario Valente, der Leiter der Hafenaufsicht Brindisi, am Dienstag. „Wir halten es für möglich, dass im Bauch des Schiffes weiterhin Flammen lodern.“ Allerdings sei alles unter Kontrolle, fügte er an. Ein Ermittler sagt: „Es ist extrem schwierig, vielleicht sogar unmöglich, der Ursache auf den Grund zu gehen..“ Die Staatsanwaltschaft Bari, die die Untersuchungen leitet, dringt darauf, dass das Wrack nach Bari überstellt wird. Der leitende Staatsanwalt Giuseppe Volpe ließ durchscheinen, dass die Zusammenarbeit mit den griechischen Behörden nicht optimal läuft.

Strittig ist, was sich an Bord abgespielt hat. Viele, aber nicht alle Passagiere gaben zu Protokoll, den Alarm nicht gehört zu haben. Doch die drängendste Frage ist: Wer ist im Bauch des Schiffes? Sind sie alle tot oder könnten noch welche leben? Die Familie eines italienischen Lkw-Fahrers behauptet, das Handy des Mannes unter Deck funktioniere noch. Ein Funken Hoffnung.