Religion

Winston Churchill dachte offenbar an Übertritt zum Islam

Der britische Staatsmann Sir Winston Churchill (1847-1965) liebäugelte nach einem jetzt aufgefundenen Brief zeitweise offenbar mit einem Übertritt zum Islam.

Laut der britischen Zeitung „The Telegraph“ bedrängte seine Schwägerin Gwendoline Bertie den damals 42-Jährigen, kein Muslim zu werden. „Bitte bekehre dich nicht zum Islam“, schrieb Bertie im August 1907 an Churchill. „Ich habe in deiner Geisteshaltung eine Tendenz zum Orientalisieren bemerkt.“ Churchill seinerseits schrieb im gleichen Jahr an die Frauenrechtlerin Constance Bulwer-Lytton, eine enge Bekannte: „Du wirst mich für einen Pascha halten; ich wünschte, ich wäre einer.“

Entdeckt wurde der Brief Berties laut „Telegraph“ von dem Cambridge-Historiker Warren Dockter bei Forschungen. Dockter zufolge betrachtete Churchill in einer für seine Zeit ungewöhnlich liberalen Haltung nicht nur den Islam und das Christentum als gleichwertige Religionen, sondern bewunderte auch die militärische Leistung des Ottomanischen Reichs. Im privaten Zusammensein mit dem Dichter Wilfrid Scawen Blunt, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband, trug Churchill gern arabische Kleidung. Seine Auffassung vom Islam sei wesentlich aber von einem romantisierenden Bild vom „nomadischen Lebensstil und dem Ehrenkodex der Beduinenstämme“ geprägt gewesen, so Dockter.

In einem früheren Buch, „The River War“ (1899), hatte sich Churchill eher negativ über den Islam geäußert: „Einzelne Muslime mögen brillante Eigenschaften zeigen, aber der Einfluss der Religion lähmt die soziale Entwicklung derer, die ihr angehören.“ Im Blick auf die christliche Kultur fuhr er fort, ohne „die starken Waffen der Wissenschaft“, gegen die der Islam stets „vergeblich gekämpft“ habe, würde „die Zivilisation des modernen Europa untergehen, wie die Zivilisation des antiken Rom unterging“.

Im Oktober 1940 billigte Churchill als Premierminister den Plan für eine Moschee im Zentrum Londons und stellte dafür 100.000 Pfund bereit.