Prozess

Schwester von Spaniens König auf der Anklagebank

Die Schwester des spanischen Königs Felipe VI. und ihr Ehemann müssen auf die Anklagebank.

Die Infantin Cristina kommt vor ein Gericht in Palma de Mallorca wegen des Vorwurfs, ihrem Mann Iñaki Urdangarin Beihilfe zum Steuerbetrug geleistet zu haben. Dies entschied der Ermittlungsrichter José Castro am Montag auf der Mittelmeerinsel. Die 49-jährige Cristina ist in der spanischen Geschichte die erste direkte Verwandte des Königs, die sich wegen eines Finanzskandals vor einem Gericht verantworten muss. Das Königshaus erklärte, es respektiere die Unabhängigkeit der Justiz. Cristina steht auf dem sechsten Platz der spanischen Thronfolge. Sie muss nach der Entscheidung des Richters eine Kaution von 2,6 Millionen Euro hinterlegen.

Der frühere Handballstar Urdangarin soll als Präsident einer gemeinnützigen Stiftung zusammen mit Komplizen rund sechs Millionen Euro Steuergelder unterschlagen haben. Für den 46-jährigen Schwager des Königs hatte die Staatsanwaltschaft knapp 20 Jahre Haft gefordert. Der Sonderstaatsanwalt für Korruptionsvergehen, Pedro Horrach, hatte allerdings dafür plädiert, gegen Felipes Schwester keine Anklage zu erheben. Der Ermittlungsrichter entschied jedoch, dass das Gesuch eines Nebenklägers ausreiche, Cristina unter Anklage zu stellen. Die Gewerkschaft Manos Limpias (Saubere Hände) hatte als Nebenkläger für die Infantin acht Jahre Haft gefordert.

Gegen die Entscheidung des Richters ist kein Einspruch möglich. Der Prozess wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 eröffnet. 17 Beschuldigte werden auf der Anklagebank sitzen, darunter der Ex-Regierungschef der Balearen und frühere spanische Umweltminister Jaume Matas.