Fernsehen

Willkommen in der Endlosschleife

Die Show-Klassiker sind zurück. Liegt die Zukunft des TV in den 70er-Jahren?

– Es gibt diese magischen Momente im Fernsehen. Und der Augenblick, wenn der Würfel mit dem Fragezeichen auf einem Laufband erscheint, gehört dazu. Man erlebte ihn in den 70er-Jahren am Ende der ARD-Show „Am laufenden Band“. Der Gewinner thronte auf einem Korbsessel und scannte die Preise, die an ihm vorbeizogen. Die Blicke von Millionen TV-Zuschauern waren auf den Würfel mit dem Fragezeichen gerichtet. Er stand symbolisch für den Hauptgewinn. Mit dem Preis war es wie mit der Sendung. „Am laufenden Band“ steckte voller Überraschungen, präsentiert von einem Mann, der singen und tanzen und scherzen konnte und moderieren.

Rudi Carrell ist längst tot, doch am 22. Dezember kehrt „Am laufenden Band“ zurück ins Erste, mit Jörg Pilawa als Moderator. Und die Branche ist gespannt, ob das Comeback genauso erfolgreich sein wird wie andere Show-Klassiker, die neuerdings wie in einer Zeitschleife zurückkehren. Neue Formate haben es schwer, sich zu etablieren. Dabei mangelt es den Machern nicht an Ideen. „Die Risikobereitschaft der TV-Sender war noch nie so ausgeprägt wie heute“, sagt René Jamm, der für die Kölner Firma Eyeworks Shows wie den „Deutschtest“ produziert hat. Allerdings sei es bei dem Überangebot an Sendern auch noch nie so schwer gewesen, ein Format erfolgreich zu etablieren. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Oldies als Hoffnungsträger. Mit „Dalli-Dalli“ fing es an. Eine Rateshow zum Mitmachen für Jedermann, zu sehen von 1971 bis 1986. Es ging um Begrifferaten und Bilderrätsel, und jedes Mal, wenn ein Team gewonnen hatte, hüpfte der Moderator vor Begeisterung in die Luft und rief „Das war Spitze!“.

Es war der NDR, der den Klassiker 2011 exhumierte. Die Studio-Deko hatte noch das gleiche Bienenwabenmuster, doch Hänschen Rosenthal hieß jetzt Kai Pflaume. Und er sprang. Pflaume, das war der Frauenversteher, der bei Sat.1 erfolgreich gebrochene Herzen geflickt hatte. „Nur die Liebe zählt“, hieß seine Show. Gerade kehrt auch sie leicht entstaubt mit Wayne Carpendale zurück ins Fernsehen. 2013 wanderte „Dalli, Dalli“ ins Erste. Bis zu fünf Millionen Zuschauer schalteten um 20.15 Uhr ein, und das an einem Donnerstag. Das war spitze, nein, fast sensationell. Seither erlebt der Zuschauer ein Déjà-vu nach dem anderen. Willkommen in der Endlosschleife. Im März dieses Jahres feierte „Einer wird gewinnen“ (EWG) ein Comeback. Das Europa-Quiz lief von 1964 bis 1969 und von 1979 bis 1987, war untrennbar verbunden mit dem Namen Hans-Joachim Kulenkampff. 50 Jahre nach der Premiere von EWG übernahm Jörg Pilawa seinen Job. Die ARD verbuchte die Sendung als Erfolg. .

Und nun also „Am Laufenden Band“ (1974 bis 1979). Von einer Verzweiflungstat will Andreas Gerling, Leiter der Abteilung Show, Musik und Quiz beim NDR, nichts wissen. Er versteht „Am laufenden Band“ als Hommage an Rudi Carrell. Der beliebte Moderator wäre am 19. Dezember 80 Jahre alt geworden. Drei Tage später rollt ihm der NDR am Samstagabend den roten Teppich aus.