Englisches Königshaus

Seine Königliche Niedlichkeit

Mit drei neuen offiziellen Bildern ihres Sohnes Prinz George belohnen William und Kate die Zurückhaltung der Medien

Eine gute Woche vor Heiligabend haben Prinz William und seine Frau Kate, beide 32, neue Bilder ihres einjährigen Söhnchens Prinz George veröffentlicht. Weil die Medien in den vergangenen Wochen auf Paparazzi-Fotos des kleinen Prinzen verzichtet hatten, bekamen sie am dritten Advent damit eine Art frühes Weihnachtsgeschenk. Die drei Ende November im Hof des Londoner Kensington Palastes aufgenommenen Fotos zeigen George auf einer Treppe sitzend, die Grübchen und großen Augen der Mutter, das runde Gesicht vom Vater, der im gleichen Alter auf den Armen seiner Mutter, Prinzessin Diana, ebenso puttenhaft in die Welt schaute.

„Very british“ gekleidet

Gekleidet ist die fast 17 Monate alte Nummer drei der Thronfolge auf den Bildern „very british“: George trägt über seinem Polohemd einen dunkelblauen Wollpullunder mit Gardesoldaten darauf, schwarze Kniestrümpfe und eine schwarze, kurze (!) Hose. Der Hersteller des Pullunders hat bereits angekündigt, das vor drei Wochen ausverkaufte Stück solle nun im Weihnachtsgeschäft möglicherweise wieder in die Regale kommen.

William und Kate versuchen, George seit seiner Geburt im Juli 2013 so weit wie möglich aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Bilder des Prinzen gibt es nur von wenigen Anlässen, etwa bei seiner Taufe oder bei einer Reise der Familie nach Australien und Neuseeland.

Die britischen Medien halten sich bisher weitgehend an die Vorgaben des Palastes. Die neuen Fotos nahm Ed Lane Fox auf, der Privatsekretär von Georges Onkel, Prinz Harry, 30. Fox hat der BBC zufolge bereits als freier Fotograf gearbeitet.

Zuletzt hatten William und Kate zum ersten Geburtstag ihres Erstgeborenen offizielle Fotos veröffentlicht, sie zeigten das royale Paar mit dem Prinzen in einer Ausstellung über Insekten im Londoner Naturkundemuseum. Die britische Presse stellte am Wochenende erfreut fest, wie schnell der Junge wachse und sich offenbar gut entwickle – wie unter anderem die rosigen Pausbacken zeigten. Im kommenden Jahr wird aus dem Einzelkind dann ein großer Bruder: Kate erwartet im April ein zweites Baby.

Die Briten haben zur Zeit Glück mit allem, was sich um die Royals dreht – es ist nur eitel Sonnenschein zu berichten, was sich dramatisch abhebt von der Zeit vor 20 Jahren, als Krise um Krise die Monarchie an den Rand ihrer Existenzberechtigung trieb. Gerade waren William und Kate in New York. Wegen eines Wintersturms waren viele New Yorker, die zuvor zu Hunderten bei jedem Auftritt der beiden in der Kälte ausharrten, diesmal zu Hause geblieben und schauten sie sich lieber vor dem Fernseher an. In den amerikanischen Morgensendungen waren „Will und Kate“, wie sie entgegen jeder Hofetikette von den Moderatoren genannt wurden, während ihres Drei-Tage-Kurzbesuchs immer ein Topthema.

Appetit aufs englische Königshaus

„Die Menschen sind einfach nur begeistert von diesem Besuch“, sagt Emily Smith, Society-Kolumnistin der „New York Post“. „Jeder spricht über sie. Jeder will wissen, was sie tun, was sie essen, was sie trinken und vor allem, was Kate trägt.“ Die Restaurants dieser Stadt wären mehr als glücklich, wenn die beiden bei ihnen auftauchen würden. „Der Appetit auf das englische Königshaus ist längst noch nicht gesättigt“, glaubt Smith, die vor Jahren aus England in die USA ausgewandert war. Da störe es auch nicht, dass die Vorfahren die Monarchie abgelehnt hätten. Der Grund für die Begeisterung ist für die Kolumnistin dabei ganz einfach: „Die Amerikaner lieben Märchen.“ Piers Morgan, früher bei CNN und heute Kolumnist bei der britischen „Daily Mail“, bezeichnete die beiden in der „Today-Show“ als die „größten Stars in der Welt der Unterhaltung“. Selbst der ungekrönte König von New York, Jay-Z, und dessen Frau, Pop-Queen Beyoncé, verblassten gegenüber den beiden. „Amerika liebt das Könighaus“, will Morgan beobachtet haben. „Und ich frage mich ernsthaft, warum sie nicht selbst eine konstitutionelle Monarchie einführen wollen.“ Man solle mal darüber nachdenken, ob das nicht viel besser für das Land wäre.

2015 verspricht ein weiteres Jahr königlicher Hochzeiten zu werden, ganz abgesehen von der zweiten Niederkunft der Herzogin von Cambridge: Am 10. September wird die Queen in ihrem 90. Lebensjahr den Gipfel an Dienstjahren erreicht haben – 63 Jahre, sieben Monate und vier Tage auf dem Thron. Das wird einen Tag länger sein als die Verweilzeit der Herrschaft ihrer großen Vorgängerin, Queen Victoria. Elizabeth II., Rekordhalterin der angelsächsisch-englischen Geschichte.

Wenn es gut läuft wie jetzt, erfüllt die Monarchie einen alten historischen Zweck: Licht zu bringen in die Trübnis der Zeitläufte, Ablenkung vom alles andere als erfreulichen Alltag. Schwer lasten die Entbehrungen auf den Briten, ihr Lebensstandard sinkt, aber „His Royal Cuteness“ („Seine Königliche Niedlichkeit“), Prinz George, oder die ewige Queen, seine Urgroßmutter, lassen für Momente alles Verhangene zur Seite schieben, und die Welt erscheint in Rosa. Das war schon so im nachkriegstrüben November 1947, als Prinzessin Elizabeth ihren Philip heiratete. Und noch immer stehen beide auf der Bühne, ein Bildnis stabiler Vergangenheit und Gegenwart, während der Urenkel George als künftiger König alle Hoffnungen in die Zukunft hinein verlängert. Da darf man ruhig mit Jungstar-Pulli und Kinderlächeln Werbung machen.