Fernsehen

„Wetten, dass..?“ verabschiedet sich nach 33 Jahren

Markus Lanz moderierte die letzte Ausgabe der erfolgreichsten deutschen Fernsehshow – denkwürdig war sie nur ganz am Ende

- Am Anfang rappten die betagten Herren der „Fantastischen Vier“, und das passte ganz gut. Denn auch Smudo und die Seinen stehen ja eher im Herbst als im Frühling ihrer Karriere. Seit 25 Jahren treten sie gemeinsam auf. Das mit der gestrigen Sendung eingestellte Erfolgsformat „Wetten, dass..?“ ist nur acht Jahre älter. Smudo sprach denn auch von der „Beerdigung eines Dinosauriers“. Die Frage war also, wie erfreulich Beerdigungen eigentlich sein können.

Es wurde ein Abend mit Überlänge. Das lag nicht so sehr daran, dass es sonderlich spät wurde, es lag daran, dass sich die Zeit ins Endlose dehnte. Wie viele Abgesänge auf die vergangenen 33 Jahre hat man in den letzten Monaten durchgeblättert oder durchgeklickt? Wie oft wurde melancholisch erinnert an die Buntstiftwette, an den Senftopf, in dem Thomas Gottschalk untertauchte, an die Gabelstapler, Hubschrauber und Lastkähne, die in drei Jahrzehnten Unglaubliches vorführten? Keiner weiß das, aber es geschah sicher oft genug, um nicht mehr zwingend unterhaltsam zu sein.

Genau das aber war die Idee dieser Sendung: Die Gäste auf dem Sofa sollten die großen Momente aus mehr als drei Jahrzehnten noch einmal Revue passieren lassen. Und so staunten die Wintersportkoryphähen Hermann Meier und Katarina Witt noch einmal darüber, dass sie einmal neben Michael Jackson saßen, und Michael „Bully“ Herbig erzählte, wie er Pierre Brice einmal mit einer Kutsche aus dem Studio fuhr. Komiker Otto machte etwas matte Frisurenwitze, und wir sahen ihn in jungen Jahren beim Einlösen eines Wetteinsatzes, beim Elefantenwaschen im Zoo.

Das war leider schal, und man hungerte einem Höhepunkt, einer Geste, einem Gast entgegen, der diesem Exzess an Selbstbeschau die Langeweile nehmen würde. Dann kam aber zuerst Ben Stiller, der zuerst ein paar österreichische Wörter aussprechen sollte (was nicht lustig war) und von Bully Herbig und Otto Waalkes ein paar Witze aufgetischt bekam, die er nicht verstehen konnte und die auch gar nicht witzig waren. Bully und Otto hampelten vor dem Publikum herum und skandierten „Arrivederci, Lanz“. Wenn es gerade mal nicht langweilig war, dann war es befremdlich.

Und die Wetten? Eine Cheerleader-Combo aus Elmshorn wirbelte sich wechselseitig in die Luft, um Wäsche an einer Leine in fünf Metern Höhe aufzuhängen. Kinderkandidat Paul erkannte Hunde daran, wie sie ihm Leberwurst vom Handrücken schleckten. Am spektakulärsten vielleicht, wie ein Fassadenkletterer in irrer Geschwindigkeit an einem Parkhaus hinauf- und wieder hinunterkletterte und dabei erfolgreich gegen einen Rallyefahrer antrat, der durch das Innere des Gebäudes raste.

Dass der seit vier Jahren querschnittsgelähmte ehemalige Wettkandidat Samuel Koch in der Sendung auftrat, war bewegend. Er sagte, er sei beim letzten Mal frühzeitig gegangen und wolle sich diesmal verabschieden. Er hätte beim letzten Mal einen steifen Hals gehabt. Es war ein anrührend authentischer Moment in einer Sendung, die sich überlebt hat.