Anschlag

Neue Ermittlungen zum Wiesn-Attentat

34 Jahre nach rechtsextremistischer Tat taucht plötzlich Zeugin auf

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Bombenanschlag auf das Münchner Oktoberfest wird der Fall neu aufgerollt – eine neue Zeugin ist aufgetaucht. Die Bundesanwaltschaft geht nun neuen Hinweisen auf mögliche Drahtzieher nach. „Ich habe heute angeordnet, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen werden“, sagte Generalbundesanwalt Harald Range am Donnerstag in Karlsruhe. „Mord verjährt nicht.“ Die bisher unbekannte Zeugin könnte auf mögliche Mitwisser hindeuten. Die Ermittlungen werden sich Range zufolge aber nicht auf diese Frau allein beschränken. „Wir werden allen Ansatzpunkten erneut und umfassend nachgehen.“ Er sprach vom „schwersten rechtsextremistischen Attentat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“.

Bei dem Anschlag 1980 waren 13 Menschen getötet und 200 verletzt worden. Unter den Toten war auch der Attentäter, der 21-jährige Gundolf Köhler, Anhänger der rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann. Er wurde zeitweise als Einzeltäter angesehen. Range betonte jetzt jedoch: „Eine Einzeltätertheorie haben wir niemals verfolgt.“ Von Anfang an sei nach möglichen Mittätern oder Verschwörern gesucht worden. Wiederholt habe die Bundesanwaltschaft die Wiederaufnahme der Ermittlungen geprüft, unter anderem auch nach Auswertung von Stasi-Unterlagen.

Jetzt „stehen wir vor einer neuen Situation“, sagte Range. Die Aussage der Zeugin sei „werthaltig“. Zum Inhalt äußerte er sich nicht. Das Bayerische Landeskriminalamt wurde mit den kriminalpolizeilichen Ermittlungen beauftragt.

Der Opferanwalt Werner Dietrich nahm die Nachricht von der Wiederaufnahme der Ermittlungen mit „Freude und Genugtuung“ auf. „Ich kann nur sagen: Da hat sich das lange Arbeiten gelohnt“, sagte er. Dietrich, der mehrere Opfer vertritt, hatte mehr als 30 Jahre lang für eine Wiederaufnahme gekämpft. Die Karlsruher Entscheidung stärke seine Mehrtäterthese.

Im September hatte er seinen dritten Wiederaufnahmeantrag gestellt. Darin benannte er fünf neue Zeugen, darunter nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ auch eine Frau, die am Tag nach dem Anschlag Flugblätter mit einem Nachruf auf den Attentäter Gundolf Köhler gefunden haben soll – noch bevor dessen Name öffentlich bekannt war.