Familie

Endlich ein Thronfolger

Das Fürstentum Monaco feiert die Geburt der Zwillinge Jacques und Gabriella

Genau 42 Salutschüsse hallten in den abendlichen Himmel über Monaco. Danach läuteten die Glocken, 15 Minuten lang, begleitet von den Nebelhörnern der Schiffe im Hafen von Monte Carlo. In den Straßen schwenkten die Menschen rot-weiße Flaggen. Freude, Freude, strahlende Gesichter. Das kleine Fürstentum hat nun – endlich – einen Thronfolger: Jacques Honoré Rainier. Und der hat sogar noch eine Zwillingsschwester: Gabriella Thérèse Marie. Mittwochabend kamen sie zur Welt, am 7. Januar werden sie den Monegassen vorgestellt.

Es wurde gefeiert. Und wie. Seit Fürst Albert II. und seine Charlène angekündigt hatten, Eltern zu werden, hatten die Monegassen diesem Ereignis entgegengefiebert. „Die Geburt der Zwillinge ist für die Bürger von Monaco ein sehr wichtiges Ereignis“, weiß der Bürgermeister von Monaco, Georges Marsan. „Das ist ein Freudenausbruch für alle Monegassen“, sagte auch Marguerite-Marie Bergonzi, eine Anwohnerin, auf der Straße, inmitten der Feierlichkeiten.

So ausgelassen die Freude sein mag, es läuft doch alles nach Protokoll. Albert II. muss die Geburt von Jacques und Gabriella durch einen Aushang an einem der Eingänge des Fürstenpalasts öffentlich bekannt machen. Auch ein Buch wird dort nun ausgelegt. Die Monegassen sollen ihre Glückwünsche hinterlassen können und ihre Häuser mit den rot-weißen Flaggen des Fürstentums schmücken. Der Fürstenpalast ist mit Fahnen geschmückt und war während der Feier rot-weiß angestrahlt.

Und nun ist es Zeit für Geschenke. Fürst Albert II. und Charlène haben die Monegassen bereits wissen lassen, dass sie sich Spenden wünschen. Nicht für sich, nicht für die Kinder, für wohltätige Zwecke. Das seit 2011 verheiratete Fürstenpaar setzt das soziale Erbe von Alberts 1982 verunglückter Mutter Fürstin Gracia Patricia fort. Neben der Fondation Princesse Grace unterstützt es noch andere Einrichtungen.

Die 36-jährige Charlène hat zum Beispiel auch eine eigene Stiftung. Besonders am Herzen liegt der ehemaligen Weltklasse-Athletin das Programm „Schwimmen lernen“.

Irgendwann werden auch Gabriella und Jacques Schwimmen lernen – mit Mama. Doch bis dahin dürfte noch einige Zeit vergehen. Zuvor müssen sie ihren ersten Auftritt vor den Untertanen des Fürstentums absolvieren. Auf den Armen der Eltern, auf dem Balkon des Palasts. Ein Ereignis von so ungeheurer Wichtigkeit, dass alle Monegassen an diesem Tag freibekommen sollen. Aber noch befinden sich die Fürstin und ihre Erstgeborenen im Centre Hospitalier Princesse Grace de Monaco. Albert II., der bereits Vater von zwei unehelichen Kindern aus früheren Verbindungen ist, weilte nach der Geburt noch eine Stunde an der Seite von Frau und Nachwuchs, dann unterrichtete er Freunde und Familie. Erst rief er seine Cousins mütterlicherseits in den USA an, anschließend den Präsidenten Frankreichs, François Hollande, und dann den italienischen Präsidenten Giorgio Napolitano.

Auf all die Freude folgt nun die große Frage: Wer wird Pate werden? Das französische Magazin „Gala“ spekuliert auf Charlotte Casiraghi, die Tochter von Alberts Schwester Caroline. Die 28-Jährige hat vor einem Jahr zusammen mit dem Komiker Gad Elmaleh einen Sohn bekommen. Seine Paten sind Albert II. und Charlène.

Ebenfalls gute Chancen dürfte Charlottes 27-jähriger Bruder Pierre Casiraghi haben, der im April seine langjährige Freundin, die reiche, italienische Erbin Beatrice Borromeo, heiraten will. Alberts jüngere Schwester Stéphanie ist auch im Gespräch. Sie setzt sich genau wie das Fürstenpaar stark für soziale Zwecke ein. Gareth Wittstock, dem 34-jährigen Bruder von Fürstin Charlène, räumt man auch Chancen auf den Patenstatus ein. Der Informatiker ist im Oktober letzten Jahres selber Vater einer kleinen Tochter geworden.

Und auch wenn die kleine Gabriella zwei Minuten vor ihrem Bruder auf die Welt gekommen ist, der kleine Jacques ist nun Thronfolger. So ist es entschieden. So will es die Konstitution des Fürstentums, erklärte Albert II. kürzlich in einem Interview. Dass sein Vater Fürst Rainier 2002, drei Jahre vor seinem Tod, die Verfassung hatte ändern lassen und erstmals Frauen als Thronfolger des Fürstentums zugelassen hatte, spielt nun keine Rolle. Vielleicht ja, weil der Vater das damals nur aus Sorge tat: Rainier befürchtete, sein Albert würde niemals heiraten und eheliche Kinder zeugen. So aber heißt die Welt nun Jacques Marquis de Baux de Provence und Gabriella Comtesse de Carladès willkommen.